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Ψ PsychoTest Kompass

Ihr Ergebnis · Verhandlungsstil-Test: Wie verhandeln Sie wirklich?

Der kompromissorientierte Stil

Sie steuern zügig auf die faire Mitte zu: geben hier, nehmen dort, Handschlag. Das spart Zeit und schont Beziehungen – verschenkt aber regelmäßig Wert auf beiden Seiten.

Fordernder StilIntegrativer StilKompromissorientierter StilZurückhaltender Stil

Was bedeutet dieses Ergebnis?

Sie haben am häufigsten jenen Aussagen zugestimmt, die schnelle Mittelwege und wechselseitiges Nachgeben beschreiben. Pruitt ordnet dieses Muster zwischen Fordern und Nachgeben ein: Der Kompromissstil will ein Ergebnis, das beide Seiten als fair empfinden, und er will es ohne langes Ringen.

Die Stärken sind real: Kompromissorientierte Menschen schließen schnell ab, gelten als berechenbar und fair und halten Beziehungen intakt. Bei Alltagsfragen mit geringem Einsatz – wer übernimmt welchen Termin, wie teilt man eine kleine Budgeterhöhung – ist die schnelle Mitte oft schlicht die effizienteste Lösung. Nicht zu unterschätzen ist auch der Zeitgewinn: Während andere noch drei Runden feilschen, haben Sie längst abgeschlossen und widmen sich dem nächsten Thema.

Die Verhandlungsforschung kennt allerdings auch die Schattenseite und nennt sie das Fifty-fifty-Reflexproblem: Wer reflexhaft teilt, prüft nie, ob eine Paketlösung beiden Seiten mehr gebracht hätte, und belohnt zugleich überzogene Eröffnungen – denn die Mitte zwischen einer fairen und einer dreisten Forderung liegt näher an der dreisten. Ihr Stil ist damit systematisch anfällig für Anker, die andere setzen.

Wie zeigt sich das im Alltag?

Im Alltag sind Sie die Person, die Verhandlungen beendet, bevor sie unangenehm werden: „Treffen wir uns bei der Hälfte“ ist Ihr Standardzug, und meist schlagen alle erleichtert ein. Kollegen schätzen, dass mit Ihnen Einigungen schnell und ohne Gesichtsverlust möglich sind.

Bei größeren Anlässen zeigt sich das Muster ebenfalls: Beim Autokauf treffen Sie sich nach zwei Runden in der Mitte, im Gehaltsgespräch einigen Sie sich auf den Mittelwert zwischen Wunsch und Angebot – und fragen sich hinterher gelegentlich, ob mehr möglich gewesen wäre. Die Antwort lautet öfter ja, als Ihnen lieb ist.

Charakteristisch ist ferner Ihre Rolle in Gruppen: Haben sich zwei Parteien festgefahren, schlagen Sie den Mittelweg vor, den insgeheim alle erwartet haben – und ernten Dankbarkeit von beiden Seiten. Diese Schlichterfunktion macht Sie beliebt, verführt jedoch dazu, jede Spannung vorschnell zuzudecken, auch dort, wo ein ausgetragener Konflikt die bessere Lösung hervorgebracht hätte.

Typische Situationen

Zwei Abteilungen streiten um Ihre Projektzeit. Sie schlagen eine 50:50-Aufteilung vor, beide Leiter stimmen zu, der Konflikt ist in zehn Minuten vom Tisch – und tatsächlich sauber gelöst.

Der Küchenverkäufer startet 4.000 Euro über Ihrem Budget. Nach zwei Runden treffen Sie sich in der Mitte und sind zufrieden – bis eine Nachbarin dieselbe Küche für 1.500 Euro weniger erwähnt. Der Anker hat funktioniert, nur nicht für Sie.

Im Teamkonflikt um Urlaubstage schlagen Sie vor, die strittige Woche zu teilen. Beide Kollegen nicken müde – und sind insgeheim unzufrieden, weil jeweils die Hälfte ihrer Pläne platzt. Eine kurze Interessenklärung hätte gezeigt: Dem einen ging es nur um zwei bestimmte Tage.

Was können Sie jetzt tun?

Bauen Sie eine Verzögerungsstufe ein, bevor Sie die Mitte anbieten: eine einzige Frage nach den Beweggründen der Gegenseite. Häufig öffnet diese Frage Spielräume – etwa Tauschmöglichkeiten jenseits des Streitwerts –, die ein sofortiges Teilen für immer verschließt. Den Kompromiss können Sie danach immer noch schließen.

Kalibrieren Sie Ihre Mitte am Markt statt am Gesprächsverlauf. Wer die übliche Spanne für ein Gehalt, eine Dienstleistung oder einen Gebrauchtwagen kennt, erkennt überzogene Anker sofort und teilt nicht mehr zwischen fair und dreist, sondern zwischen fair und fair.

Reservieren Sie Ihren Stil für Verhandlungen, in denen er glänzt: geringer Einsatz, Zeitdruck, gleichstarke Partner, intakte Beziehung. Bei hohen Beträgen oder komplexen Paketen gönnen Sie sich dagegen bewusst die längere integrative Route – die Stunde Mehraufwand zahlt sich dort vielfach aus.

Üben Sie darüber hinaus, ein erstes Angebot kommentarlos stehen zu lassen. Wer nach einer genannten Zahl einige Sekunden schweigt, statt sofort die Mitte anzubieten, erlebt erstaunlich oft, dass die Gegenseite von selbst nachbessert – Schweigen ist das günstigste Zugeständnis, das Sie nie machen müssen.

Konkrete nächste Schritte

Verordnen Sie sich für die nächsten drei Verhandlungen eine Regel: kein Teilungsvorschlag vor der ersten Interessenfrage.

Recherchieren Sie vor der nächsten größeren Verhandlung die marktübliche Spanne und notieren Sie Ihre Untergrenze schriftlich.

Rechnen Sie einen zurückliegenden Kompromiss ehrlich nach: Was hätte die integrative Route vermutlich gebracht, was hätte sie gekostet?

Üben Sie das Aushalten von Schweigen: Zählen Sie nach einem Angebot der Gegenseite innerlich bis zehn, bevor Sie reagieren.

Grenzen dieses Tests

Der Test unterscheidet nicht, ob Ihre Kompromissfreude aus Fairnessüberzeugung oder aus Konfliktscheu stammt. Beide führen zu ähnlichen Antworten, verlangen aber Verschiedenes: Die eine ist ein Wert, die andere ein Vermeidungsmuster mit Preisschild.

Unsichtbar bleibt auch der entgangene Wert Ihrer Abschlüsse – genau die Größe, an der dieser Stil krankt. Ob Ihre letzten Einigungen gute Mitten oder verschenkte Potenziale waren, kann nur eine ehrliche Nachkalkulation zeigen, kein Fragebogen. Halten Sie dafür bei kommenden Abschlüssen fest, wo Ihre eigene Zielmarke lag und wo Sie tatsächlich gelandet sind.

Passende Übungen

Quellen

  • Walton RE, McKersie RB (1965). A Behavioral Theory of Labor Negotiations: An Analysis of a Social Interaction System. New York: McGraw-Hill.
  • Pruitt DG (1983). Strategic Choice in Negotiation. American Behavioral Scientist, 27(2), 167–194.
  • De Dreu CKW, Weingart LR, Kwon S (2000). Influence of social motives on integrative negotiation: A meta-analytic review and test of two theories. Journal of Personality and Social Psychology, 78(5), 889–905.
  • Fisher R, Ury W (1981). Getting to Yes: Negotiating Agreement Without Giving In. Boston: Houghton Mifflin.

Weitere mögliche Ergebnisse

  • Der fordernde Stil

    Sie verhandeln, um zu gewinnen: hohe Einstiegsforderung, klare Alternativen, notfalls Abbruch. Das bringt Ihnen überdurchschnittliche Ergebnisse – und gelegentlich verbrannte Erde.

  • Der integrative Stil

    Sie verhandeln über Interessen statt über Positionen, schnüren Pakete und vergrößern den Kuchen, bevor Sie ihn teilen. Stark in komplexen Deals – ausnutzbar von harten Feilschern.

  • Der zurückhaltende Stil

    Sie verhandeln ungern: Erste Angebote werden angenommen, Preisgespräche vermieden, Argumente bleiben unausgesprochen. Das kostet Sie messbar Geld – ist aber veränderbar.