Ihr Ergebnis · Verhandlungsstil-Test: Wie verhandeln Sie wirklich?
Der fordernde Stil
Sie verhandeln, um zu gewinnen: hohe Einstiegsforderung, klare Alternativen, notfalls Abbruch. Das bringt Ihnen überdurchschnittliche Ergebnisse – und gelegentlich verbrannte Erde.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihre häufigsten Verhaltensweisen sind ambitionierte Eröffnungen, das Ausspielen von Alternativen und die Bereitschaft, den Tisch zu verlassen. In der Verhandlungsforschung heißt dieses Muster distributiv oder claiming: Sie behandeln die Verhandlung als Verteilungskampf um einen begrenzten Kuchen und sichern sich davon das größtmögliche Stück.
Die Wirksamkeit dieses Stils ist gut belegt – bei Einmalgeschäften. Wer hoch eröffnet, setzt einen Anker, an dem sich das gesamte Gespräch orientiert; wer glaubwürdige Alternativen hat, verhandelt nachweislich bessere Konditionen. Beim Autokauf, beim Vergleich von Handwerkerangeboten oder gegenüber einem Anbieter, den Sie nie wiedersehen, spielt Ihr Repertoire seine volle Stärke aus. Dazu kommt ein psychologischer Nebeneffekt: Geübte Fordernde werden seltener zur Zielscheibe überhöhter Erstangebote – Verkäufer erkennen erfahrene Verhandler rasch und eröffnen von vornherein realistischer.
Teuer wird der Stil dort, wo Sie die Gegenseite wiedersehen. Die Forschung zu Verhandlungsserien zeigt, dass hart erkämpfte Abschlüsse häufiger nachverhandelt, schlechter umgesetzt und seltener wiederholt werden. Wer sich über den Tisch gezogen fühlt, rächt sich in der Ausführung – mit Dienst nach Vorschrift, kleingedruckten Gegenmaßnahmen oder dem Wechsel zum Wettbewerber.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Typische Spuren im Alltag: Sie kennen vor dem Gehaltsgespräch die Marktgehälter, haben idealerweise ein Gegenangebot in der Tasche und nennen zuerst eine Zahl am oberen Rand. Rabattfragen sind für Sie Routine, nicht Mutprobe – auch im Möbelhaus, wo andere still den Listenpreis zahlen.
Im Umfeld ist Ihr Ruf zwiespältig: Man schickt Sie gern vor, wenn es etwas herauszuholen gilt, verhandelt aber ungern selbst mit Ihnen. Partnerinnen, Kollegen oder Freunde erleben mitunter, dass Sie auch Alltagssituationen in Verhandlungen verwandeln, die keine sein müssten.
Selbst bei Nebensächlichkeiten verhandeln Sie mit: der Zimmerwechsel im Hotel, die Gebührenerstattung bei der Bank, der Nachlass auf das Ausstellungsstück. Wo andere die Dinge nehmen, wie sie kommen, wittern Sie grundsätzlich Spielraum – das spart übers Jahr gerechnet spürbar Geld, kostet aber Energie und gelegentlich Sympathien.
Typische Situationen
Der Personaler nennt eine Gehaltsspanne. Sie antworten mit einer Zahl oberhalb der Spanne, begründen sie mit zwei Marktdaten – und landen am Ende genau dort, wo Sie von Anfang an hinwollten.
Ein Softwareanbieter präsentiert das jährliche Preisupdate. Sie erwähnen beiläufig das laufende Angebot des Wettbewerbers, und aus der Erhöhung wird eine Preisgarantie für zwei Jahre.
Nach zähem Ringen unterschreibt der Dienstleister Ihre Konditionen. Ein Jahr später kündigt er zum frühestmöglichen Termin – die Marge, sagt er einem Dritten, sei den Ärger nicht wert gewesen.
Was können Sie jetzt tun?
Führen Sie vor jeder Verhandlung einen Beziehungscheck durch: Sehe ich diese Person wieder? Hängt die Umsetzung von ihrem Wohlwollen ab? Lautet die Antwort ja, dämpfen Sie den Druck bewusst – ein zwei Prozent besserer Abschluss ist wertlos, wenn die Lieferqualität danach um zehn Prozent sinkt.
Ergänzen Sie Ihr Arsenal um Interessenfragen. Sie verlieren nichts, wenn Sie vor dem Feilschen erfragen, was der Gegenseite wirklich wichtig ist – oft entdecken Sie Tauschmasse, die Ihren Abschluss zusätzlich verbessert, ohne die andere Seite zu beschädigen. Fordern und Zuhören schließen sich nicht aus.
Prüfen Sie Ihre Abbruchdrohungen auf Deckung. Wer öfter mit dem Platzenlassen droht, als er es sich leisten kann, wird durchschaut und verliert das wichtigste Kapital des fordernden Stils: Glaubwürdigkeit. Drohen Sie nur mit Alternativen, die tatsächlich existieren und die Sie tatsächlich wählen würden.
Trennen Sie zudem Härte in der Sache von Härte im Ton. Sie können unbeirrbar bei Ihrer Zahl bleiben und dennoch freundlich, verbindlich und respektvoll auftreten – diese Kombination erzielt in Untersuchungen die besten Resultate, weil sie Widerstand in der Sache nicht mit persönlicher Kränkung auflädt.
Konkrete nächste Schritte
Listen Sie Ihre drei nächsten anstehenden Verhandlungen auf und markieren Sie, welche davon Beziehungsverhandlungen sind – dort fahren Sie den Druck bewusst um eine Stufe zurück.
Formulieren Sie für die nächste Verhandlung drei Interessenfragen, die Sie stellen, bevor Sie die erste Zahl nennen.
Dokumentieren Sie nach jedem Abschluss neben dem Ergebnis auch den Beziehungszustand – ein simples Ampelsystem genügt.
Trainieren Sie den Verzicht: Führen Sie eine Alltagsverhandlung bewusst kooperativ und vergleichen Sie hinterher Aufwand, Ergebnis und Stimmung.
Grenzen dieses Tests
Der Fragebogen erfasst Ihr Selbstbild als Verhandler, nicht Ihre Abschlussqualität. Manche Menschen berichten forsches Auftreten, knicken aber beim ersten Gegenwind ein – ob Ihr Fordern trägt, zeigt sich erst am Verhandlungstisch, nicht im Test. Aussagekräftiger wäre der Blick in Ihre realen Abschlüsse der letzten Jahre, etwa die Differenz zwischen Erstangebot und Endpreis.
Außerdem bleibt unsichtbar, wie viel Ihr Stil Sie indirekt kostet: geplatzte Beziehungen, gemiedene Zusammenarbeit, Reibungsverluste in der Umsetzung. Diese Nebenkosten tauchen in keiner Abschlussbilanz auf und lassen sich per Selbstauskunft kaum beziffern.
Passende Übungen
Quellen
- Walton RE, McKersie RB (1965). A Behavioral Theory of Labor Negotiations: An Analysis of a Social Interaction System. New York: McGraw-Hill.
- Pruitt DG (1983). Strategic Choice in Negotiation. American Behavioral Scientist, 27(2), 167–194.
- De Dreu CKW, Weingart LR, Kwon S (2000). Influence of social motives on integrative negotiation: A meta-analytic review and test of two theories. Journal of Personality and Social Psychology, 78(5), 889–905.
- Fisher R, Ury W (1981). Getting to Yes: Negotiating Agreement Without Giving In. Boston: Houghton Mifflin.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Der integrative Stil
Sie verhandeln über Interessen statt über Positionen, schnüren Pakete und vergrößern den Kuchen, bevor Sie ihn teilen. Stark in komplexen Deals – ausnutzbar von harten Feilschern.
- Der kompromissorientierte Stil
Sie steuern zügig auf die faire Mitte zu: geben hier, nehmen dort, Handschlag. Das spart Zeit und schont Beziehungen – verschenkt aber regelmäßig Wert auf beiden Seiten.
- Der zurückhaltende Stil
Sie verhandeln ungern: Erste Angebote werden angenommen, Preisgespräche vermieden, Argumente bleiben unausgesprochen. Das kostet Sie messbar Geld – ist aber veränderbar.