Ihr Ergebnis · Krankheitsangst-Test: Wie stark kreisen Ihre Gedanken um Ihre Gesundheit?
Ausgeprägte Krankheitsangst (20–29 Punkte)
Die Sorge um Ihre Gesundheit hat sich zu einem festen Denk- und Verhaltensmuster entwickelt, das Energie kostet. Es gibt bewährte Wege heraus – gehen Sie den ersten davon bald.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihr Ergebnis weist auf ein verfestigtes Sorgenmuster hin: Der Gedanke an eine unerkannte ernste Erkrankung gehört zu Ihrem Alltag, Körperbeobachtung und Rückversicherung sind zur Routine geworden, und ärztliche Entwarnungen wirken nur noch kurz. Vermutlich kennen Sie den zermürbenden Zyklus bereits: Empfindung – Alarm – Kontrolle – kurze Erleichterung – neue Empfindung.
Wichtig zu verstehen ist die Paradoxie dieses Kreislaufs: Jede Absicherung – das Abtasten, die Recherche, der zusätzliche Termin – beruhigt für Stunden oder Tage, trainiert Ihrem Aufmerksamkeitssystem aber gleichzeitig an, den Körper noch engmaschiger zu überwachen. Ein intensiver beobachteter Körper liefert mehr wahrnehmbare Signale, und mehr Signale bedeuten mehr Alarm. Sie sorgen sich also nicht, weil Ihr Körper so viele Symptome produziert – Ihr Körper scheint so viele Symptome zu produzieren, weil Sie sich sorgen.
Ein Wert in diesem Bereich ist keine Diagnose einer Krankheitsangststörung, aber er liegt in einer Zone, in der eine fachliche Einschätzung deutlich mehr bringt als weitere Selbstversuche. Unbehandelt neigt ausgeprägte Krankheitsangst dazu, chronisch zu werden und sich auszudehnen; mit gezielter Behandlung sind die Erfolgsaussichten dagegen gut belegt.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Der Alltag mit diesem Sorgenniveau ist oft ein Doppelleben: Nach außen funktionieren Beruf und Familie, innen läuft nahezu ununterbrochen ein Gesundheitsmonitoring. Morgens der prüfende Blick in den Spiegel, tagsüber das Registrieren jedes Herzschlags-Aussetzers, abends die Recherche im Bett – und zwischendrin die Frage an den Partner, ob die Stelle am Hals schon gestern so aussah.
Auch das Verhältnis zum Gesundheitssystem verändert sich: Manche Betroffene wechseln Praxen, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen, oder sammeln Zweitmeinungen; andere kippen ins Gegenteil und meiden Untersuchungen ganz, weil schon der Gedanke an einen möglichen Befund unerträglich scheint. Beide Wege – das Zuviel wie das Zuwenig – folgen derselben Angst und verstärken sie.
Typische Situationen
Der dritte Arzttermin wegen desselben Ziehens im Oberbauch endet erneut ohne Befund – die Erleichterung hält bis zum Wochenende.
Um zwei Uhr nachts liegen Sie wach und vergleichen Ihr Muskelzucken mit Forenbeiträgen über neurologische Erkrankungen.
Die Frage „Fühl mal, ist das geschwollen?“ gehört inzwischen so regelmäßig zum Abend, dass Ihr Partner genervt reagiert.
Was können Sie jetzt tun?
Der wirksamste Einzelschritt ist ein Strategiewechsel: weg von der Frage „Bin ich wirklich gesund?“ hin zur Frage „Wie gehe ich mit Unsicherheit um?“. Erstere ist nie endgültig zu beantworten – hundertprozentige Sicherheit über den eigenen Körper existiert nicht, und die Jagd danach ist der Kern des Problems. Psychotherapeutische Verfahren, allen voran die kognitive Verhaltenstherapie, setzen genau hier an und erzielen bei Krankheitsangst nachweislich stabile Verbesserungen.
Den Zugang bahnen Sie über zwei Kanäle: Sprechen Sie in Ihrer Hausarztpraxis ausdrücklich die Angst als eigenes Anliegen an – nicht nur das jeweils aktuelle Symptom – und vereinbaren Sie dort idealerweise feste, geplante Kontrolltermine statt anlassgetriebener Konsultationen; dieses „vereinbarte Maß“ entlastet beide Seiten. Parallel können Sie über die Terminservicestelle (116 117) eine psychotherapeutische Sprechstunde anfragen; schildern Sie dort ruhig konkret das Thema Gesundheitsängste.
Bis zum Erstgespräch helfen Verhaltensregeln mit sofortiger Wirkung: ein komplettes Moratorium für Symptomsuchen im Internet (löschen Sie die einschlägigen Verläufe und richten Sie bewusste Hürden ein), ein festes tägliches Sorgenfenster von 15 Minuten, in das Sie alle Krankheitsgedanken vertagen, und der schrittweise Abbau der Kontrollrituale – am besten protokolliert, damit Fortschritte sichtbar werden.
Konkrete nächste Schritte
Benennen Sie beim nächsten Hausarztbesuch die Angst selbst als Behandlungsanliegen und schlagen Sie geplante statt anlassbezogener Kontrollen vor.
Melden Sie sich über die 116 117 für eine psychotherapeutische Sprechstunde an.
Verhängen Sie ab heute ein Symptomsuch-Verbot im Internet und ersetzen Sie den Impuls durch eine notierte Frage für den Arzttermin.
Richten Sie ein tägliches 15-Minuten-Sorgenfenster ein und vertagen Sie alle Krankheitsgedanken konsequent dorthin.
Grenzen dieses Tests
Dieser Test kann eine entscheidende Frage nicht beantworten: ob Ihren Beschwerden eine noch unentdeckte körperliche Ursache zugrunde liegt. Ein hoher Sorgenwert und eine reale Erkrankung schließen einander nicht aus. Die Basisdiagnostik gehört deshalb in ärztliche Hand – der Fragebogen ergänzt sie nur um die psychische Dimension.
Zudem überlappt Krankheitsangst mit anderen Belastungen: Panikneigung, generalisierte Ängste und depressive Episoden können ähnliche Werte erzeugen. Was im Vordergrund steht und welche Behandlung passt, klärt sich erst im diagnostischen Gespräch mit approbierten Fachleuten.
Passende Übungen
Quellen
- Pilowsky I (1967). Dimensions of hypochondriasis. British Journal of Psychiatry, 113(494), 89–93.
- Salkovskis PM, Rimes KA, Warwick HMC, Clark DM (2002). The Health Anxiety Inventory: development and validation of scales for the measurement of health anxiety and hypochondriasis. Psychological Medicine, 32(5), 843–853.
- Hinz A, Rief W, Brähler E (2003). Hypochondrie in der Allgemeinbevölkerung: Teststatistische Prüfung und Normierung des Whiteley-Index. Diagnostica, 49(1), 34–42.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Geringe Krankheitsangst (0–9 Punkte)
Sie gehen entspannt mit Körpersignalen um: Beschwerden werden wahrgenommen, aber nicht dramatisiert, und Ihr Vertrauen in die eigene Gesundheit trägt.
- Leicht erhöhte Krankheitsangst (10–19 Punkte)
Gesundheitssorgen melden sich bei Ihnen häufiger zu Wort als nötig, lassen sich aber meist noch gut beiseitelegen. Ein guter Moment, um Kontrollgewohnheiten zu prüfen.
- Sehr starke Krankheitsangst (30–40 Punkte)
Die Furcht vor Krankheit dominiert derzeit Ihr Denken und Handeln und raubt Ihnen Lebensqualität. Dieses Leiden ist behandelbar – bitte holen Sie zeitnah fachliche Hilfe dazu.