Doomscrolling-Test: Hängen Sie im Nachrichten-Strudel fest?
Ein kurzer Blick in die Nachrichten – und plötzlich ist eine Stunde vergangen, die Stimmung im Keller. Dieser Selbsttest hilft Ihnen einzuschätzen, ob Ihr Nachrichtenkonsum noch informiert oder schon belastet.
Worum geht es in diesem Test?
Doomscrolling beschreibt das anhaltende Weiterscrollen durch negative Nachrichten und Krisenmeldungen, obwohl die Inhalte einen selbst zunehmend beunruhigen. Der Begriff wurde während globaler Krisenphasen populär, das Verhaltensmuster selbst ist jedoch älter: Unser Gehirn reagiert auf Bedrohungsinformationen mit erhöhter Aufmerksamkeit. Newsfeeds und Push-Meldungen nutzen genau diesen Mechanismus und liefern einen nie endenden Strom an Schlagzeilen, der das Bedürfnis nach Kontrolle anspricht, es aber selten stillt.
Dieser Test konzentriert sich gezielt auf den Umgang mit Nachrichten und Newsfeeds – nicht auf die allgemeine Smartphone-Nutzung. Gefragt wird etwa, wie häufig Sie länger in Krisenmeldungen hängen bleiben als geplant, wie sich Ihre Stimmung nach dem Lesen verändert und ob es Ihnen gelingt, bewusst Pausen vom Weltgeschehen einzulegen. Aus Ihren Antworten ergibt sich ein Punktwert zwischen 0 und 40, der einem von vier Mustern zugeordnet wird.
Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme Ihres aktuellen Nachrichtenverhaltens. In Phasen großer Weltereignisse steigt der Konsum bei fast allen Menschen vorübergehend an – das allein ist kein Grund zur Sorge. Interessant wird es, wenn das ständige Scrollen zur Dauerbelastung wird, Schlaf und Konzentration leiden oder Sie sich dem Sog kaum noch entziehen können. Genau diese Abstufung soll der Test sichtbar machen und Ihnen konkrete Ansatzpunkte liefern.
Mögliche Ergebnisse
- Entspannter Nachrichtenkonsum (0–9 Punkte)
Sie informieren sich, ohne sich vom Newsfeed vereinnahmen zu lassen. Nachrichten sind für Sie ein Werkzeug – kein Dauerbegleiter, der Ihre Stimmung diktiert.
- Gelegentliches Doomscrolling (10–19 Punkte)
Meist haben Sie Ihren Nachrichtenkonsum im Griff, doch hin und wieder zieht der Feed Sie tiefer hinein, als Ihnen guttut – vor allem an anstrengenden Tagen.
- Häufiges Doomscrolling (20–29 Punkte)
Der Nachrichtenstrudel hat sich in Ihrem Alltag festgesetzt: Sie scrollen regelmäßig länger als gewollt, und die ständige Krisenkost drückt spürbar auf Stimmung und Energie.
- Zwanghaftes Doomscrolling (30–40 Punkte)
Der Nachrichtensog bestimmt weite Teile Ihres Tages: Sie scrollen, obwohl es Ihnen sichtbar schadet, und finden aus eigener Kraft kaum noch heraus. Zeit, sich Unterstützung zu holen.
Methodik & Hintergrund
Die Fragen orientieren sich an aktuellen Forschungsarbeiten zum Doomscrolling und zu problematischem Nachrichtenkonsum, unter anderem an den Untersuchungen von Sharma, Lee und Johnson (2022) zum Weiterscrollen in sozialen Newsfeeds, an der Arbeit von McLaughlin und Kollegen (2022) zu zwanghaftem Nachrichtenverfolgen sowie an der Doomscrolling-Skala von Satici und Kollegen (2023). Erfasst werden drei Facetten: das Ausmaß des Sog-Erlebens, die emotionale Wirkung der Inhalte und der Grad an Kontrolle über das eigene Verhalten.
Zwei Fragen sind bewusst positiv formuliert und werden bei der Auswertung gespiegelt gezählt. Das erschwert ein mechanisches Durchklicken und macht das Ergebnis robuster. Alle zehn Fragen nutzen dieselbe Häufigkeitsskala von "Nie" bis "Sehr oft"; die Summe Ihrer Antworten bestimmt, welchem der vier Auswertungsbereiche Sie zugeordnet werden.
Wichtig zur Einordnung: Doomscrolling ist keine anerkannte Diagnose, sondern ein Verhaltensmuster, das die Forschung erst seit wenigen Jahren systematisch untersucht. Dieser Selbsttest kann daher keine klinische Einschätzung ersetzen. Wenn Nachrichtenkonsum bei Ihnen mit anhaltender Angst, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen einhergeht, sollten Sie das mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachkraft besprechen – unabhängig davon, welchen Punktwert Sie hier erreichen.
Häufige Fragen
Was genau bedeutet Doomscrolling?
Doomscrolling bezeichnet das anhaltende, oft schwer stoppbare Weiterscrollen durch überwiegend negative Nachrichten – etwa zu Kriegen, Katastrophen oder Krisen –, obwohl die Inhalte die eigene Stimmung zunehmend belasten. Der Begriff setzt sich aus dem englischen doom (Verhängnis) und scrolling zusammen. Es handelt sich um ein Verhaltensmuster, nicht um eine medizinische Diagnose.
Warum fällt es so schwer, mit dem Scrollen aufzuhören?
Zwei Mechanismen greifen ineinander: Erstens reagiert das menschliche Gehirn auf Bedrohungsinformationen mit erhöhter Aufmerksamkeit – schlechte Nachrichten wirken dadurch relevanter als gute. Zweitens sind Feeds bewusst endlos gestaltet und belohnen jedes Weiterwischen mit neuen Reizen. Das Aufhören erfordert deshalb eine aktive Entscheidung gegen ein System, das genau diese Entscheidung erschwert.
Ist Doomscrolling dasselbe wie Handysucht?
Nein, die Muster überschneiden sich nur teilweise. Doomscrolling bezieht sich speziell auf den Konsum belastender Nachrichten und Newsfeeds, während problematische Smartphone-Nutzung viele weitere Bereiche wie Spiele, Messenger oder Videos umfasst. Man kann ausgeprägt doomscrollen und das Telefon sonst maßvoll nutzen – und umgekehrt. Für die allgemeine Smartphone-Nutzung bietet unsere Seite einen eigenen Test.
Kann ständiger Nachrichtenkonsum krank machen?
Studien zeigen Zusammenhänge zwischen zwanghaftem Nachrichtenverfolgen und erhöhten Werten für Angst, Stress und körperliche Beschwerden – etwa in der Untersuchung von McLaughlin und Kollegen (2022). Ein Kausalbeweis im Einzelfall ist damit nicht erbracht, doch anhaltende Anspannung und gestörter Schlaf sind ernstzunehmende Risikofaktoren. Bei solchen Beschwerden empfiehlt sich eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.
Muss ich Nachrichten komplett meiden, um aus dem Muster auszusteigen?
Nein, völlige Nachrichtenabstinenz ist weder nötig noch für die meisten Menschen sinnvoll. Entscheidend ist der Wechsel von passivem Dauerkonsum zu aktiver, zeitlich begrenzter Information – etwa über ein tägliches Briefing oder eine feste Nachrichtensendung. Wer Umfang und Zeitpunkt selbst bestimmt, bleibt informiert, ohne dem Sog des endlosen Feeds ausgeliefert zu sein.
Quellen
- Sharma B, Lee SS, Johnson BK (2022). The Dark at the End of the Tunnel: Doomscrolling on Social Media Newsfeeds. Technology, Mind, and Behavior, 3(1).
- McLaughlin B, Gotlieb MR, Mills DJ (2022). Caught in a Dangerous World: Problematic News Consumption and Its Relationship to Mental and Physical Ill-Being. Health Communication, 38(12).
- Satici SA, Gocet Tekin E, Deniz ME, Satici B (2023). Doomscrolling Scale: its Association with Personality Traits, Psychological Distress, Social Media Use, and Wellbeing. Applied Research in Quality of Life, 18, 833–847.
Zum Weiterlesen
Ähnliche Tests
Achtsamkeits-Test: Wie präsent sind Sie in Ihrem Alltag?
Zehn Alltagssituationen zeigen, wie oft Sie mit der Aufmerksamkeit wirklich bei dem sind, was Sie gerade tun – und wie oft der Autopilot übernimmt. Vorbild ist die Mindful Attention Awareness Scale, das bekannteste Messinstrument der Achtsamkeitsforschung.
10 Fragen · 2 Min. · kostenlos
ADHS-Test für Erwachsene: Selbstcheck auf typische Anzeichen
Zwölf Fragen zu Konzentration, innerer Getriebenheit und spontanen Reaktionen im Erwachsenenleben, angelehnt an den Screening-Ansatz der WHO-Skala ASRS-v1.1. Sie erhalten einen Wert von 0 bis 48 samt Einordnung – als erste Orientierung, ausdrücklich nicht als Diagnose.
12 Fragen · 2 Min. · kostenlos
Chronotyp-Test: Sind Sie Morgentyp oder Abendtyp?
Wann Sie am leistungsfähigsten sind, wann Sie müde werden und wie schwer Ihnen frühes Aufstehen fällt, steuert zu einem erheblichen Teil Ihre innere Uhr. Dieser Selbsttest orientiert sich am Morningness-Eveningness-Questionnaire (MEQ) von Horne und Östberg und ordnet Sie anhand von zehn Aussagen auf dem Spektrum zwischen ausgeprägtem Abendtyp und ausgeprägtem Morgentyp ein.
10 Fragen · 2 Min. · kostenlos
Emotionales-Essen-Test: Essen Sie aus Gefühlen statt aus Hunger?
Zwölf Fragen dazu, wie stark Ärger, Langeweile, Anspannung oder Kummer bei Ihnen den Griff zum Essen steuern. Als fachliche Orientierung dient die Subskala für emotionales Essverhalten des Dutch Eating Behavior Questionnaire (DEBQ).
12 Fragen · 2 Min. · kostenlos