ADHS-Test für Erwachsene: Selbstcheck auf typische Anzeichen
Zwölf Fragen zu Konzentration, innerer Getriebenheit und spontanen Reaktionen im Erwachsenenleben, angelehnt an den Screening-Ansatz der WHO-Skala ASRS-v1.1. Sie erhalten einen Wert von 0 bis 48 samt Einordnung – als erste Orientierung, ausdrücklich nicht als Diagnose.
Worum geht es in diesem Test?
Dieser Selbstcheck beleuchtet vier Bereiche, in denen sich eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen typischerweise zeigt: das Halten der Konzentration bei wenig reizvollen Tätigkeiten, die Organisation von Terminen und Unterlagen, körperliche wie innere Rastlosigkeit sowie impulsives Reden und Entscheiden. Gefragt wird nach der Häufigkeit solcher Erlebnisse in den vergangenen sechs Monaten, denn ADHS-Merkmale sind überdauernd und beschränken sich nicht auf einzelne turbulente Wochen.
Am Ende steht eine Punktzahl zwischen 0 und 48, die einer von vier Stufen zugeordnet wird – von kaum vorhandenen bis zu stark ausgeprägten Anzeichen. Zu jeder Stufe lesen Sie, wie das Antwortmuster einzuordnen ist, in welchen Alltagsszenen es sich zeigt, welche nächsten Schritte sinnvoll sind und wo die Aussagekraft eines Online-Fragebogens endet. Die Auswertung geschieht unmittelbar in Ihrem Browser, ohne Anmeldung und ohne Datenübertragung.
Gedacht ist der Check für Erwachsene, die sich fragen, ob hinter ständiger Zerstreutheit, chaotischer Planung oder rastloser Energie mehr stecken könnte als Charakter oder Stress – etwa weil das eigene Kind die Diagnose erhalten hat, weil Partner oder Kollegen seit Jahren dieselben Rückmeldungen geben oder weil Konzentrationsprobleme allen guten Vorsätzen zum Trotz bestehen bleiben. Er ersetzt keine fachliche Untersuchung, hilft aber, das eigene Anliegen für ein Erstgespräch zu sortieren.
Mögliche Ergebnisse
- Kaum ADHS-typische Anzeichen (0–11 Punkte)
Ihre Antworten ergeben ein unauffälliges Muster: Konzentration, Organisation und Impulskontrolle funktionieren in Ihrem Alltag überwiegend verlässlich.
- Leichte ADHS-typische Anzeichen (12–23 Punkte)
Einzelne Merkmale wie Zerstreutheit oder Ungeduld treten bei Ihnen häufiger auf, das Gesamtbild bleibt jedoch unterhalb der Schwelle, ab der ein Verdacht naheliegt.
- Deutliche ADHS-typische Anzeichen (24–35 Punkte)
Ihre Antworten ergeben ein Muster, das in Dichte und Breite an eine ADHS im Erwachsenenalter denken lässt. Eine fachliche Abklärung ist der sinnvolle nächste Schritt.
- Stark ausgeprägte ADHS-typische Anzeichen (36–48 Punkte)
Sie berichten nahezu durchgängig hohe Häufigkeiten in allen abgefragten Bereichen. Bitte lassen Sie dieses Bild zeitnah fachlich einordnen – unabhängig davon, wie lange Sie schon so funktionieren.
Methodik & Hintergrund
Inhaltlich orientiert sich der Fragebogen an der Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS-v1.1), die von der Weltgesundheitsorganisation gemeinsam mit einer Forschungsgruppe um Ronald Kessler als Screening-Instrument für Erwachsene entwickelt wurde. Abgedeckt sind die beiden Kernbereiche der ADHS – Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität und Impulsivität –, ergänzt um Fragen zur Alltagsorganisation, die sich in Studien für das Erwachsenenalter als besonders aussagekräftig erwiesen haben.
Alle zwölf Fragen werden auf einer fünfstufigen Häufigkeitsskala von 0 („nie“) bis 4 („sehr oft“) beantwortet; zwei positiv formulierte Fragen fließen gespiegelt in die Summe ein. Die vier Ergebnisbereiche sind Orientierungsstufen dieses Selbstchecks und keine offiziellen Grenzwerte: Die Original-ASRS verwendet ein anderes Auswertungsschema, und verbindliche deutsche Cut-off-Werte für Online-Fassungen existieren nicht.
Zur ehrlichen Einordnung gehört: Ein Screening kann eine Diagnose weder stellen noch sicher ausschließen. Die Leitlinien verlangen für eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter unter anderem, dass die Merkmale bereits in der Kindheit vorhanden waren, in mehreren Lebensbereichen auftreten und nicht besser durch andere Ursachen erklärbar sind – etwa durch Depressionen, Angststörungen, Schlafmangel oder Schilddrüsenerkrankungen. Diese Abklärung leisten ausschließlich Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit ADHS-Erfahrung.
Häufige Fragen
Ersetzt dieser ADHS-Test eine Diagnose?
Nein, in keinem Fall. Der Selbstcheck ist ein Screening: Er sortiert grob, ob Ihr Erleben dem typischen ADHS-Muster ähnelt. Eine Diagnose erfordert eine ausführliche Untersuchung durch Fachärztinnen, Fachärzte oder Psychotherapeuten mit ADHS-Erfahrung – einschließlich Lebensgeschichte, Fremdanamnese und Ausschluss anderer Ursachen wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafproblemen. Ein hoher Wert begründet einen Abklärungstermin; ein niedriger entwarnt nicht vollständig.
Warum beziehen sich die Fragen auf die letzten sechs Monate?
ADHS-Merkmale sind überdauernd: Sie begleiten Betroffene über Jahre und über verschiedene Lebensbereiche hinweg. Ein längerer Bezugszeitraum verhindert, dass eine einzelne chaotische Woche das Bild verzerrt. Für die eigentliche Diagnose reicht selbst das nicht aus – dort wird zusätzlich geprüft, ob entsprechende Auffälligkeiten bereits vor dem zwölften Lebensjahr bestanden, etwa anhand von Zeugnissen oder Berichten der Eltern.
Kann ADHS erst im Erwachsenenalter entstehen?
Nach heutigem Forschungsstand beginnt ADHS in der Kindheit; sie kann jedoch jahrzehntelang unentdeckt bleiben, weil die Struktur von Schule oder Elternhaus vieles auffängt. Auffällig wird sie oft erst, wenn Studium, Beruf oder Familie mehr Selbstorganisation verlangen. Treten Konzentrationsprobleme wirklich zum ersten Mal im Erwachsenenleben auf, sprechen sie eher für andere Ursachen – etwa Dauerbelastung, Schlafstörungen oder depressive Episoden – und gehören ebenfalls abgeklärt.
An wen wende ich mich bei einem auffälligen Ergebnis?
Erste Anlaufstellen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, psychotherapeutische Praxen mit ADHS-Schwerpunkt sowie spezialisierte ADHS-Ambulanzen an Kliniken; Termine vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117. Auch die Hausarztpraxis ist ein sinnvoller Startpunkt: Dort lassen sich körperliche Ursachen wie Schilddrüsenwerte prüfen und Überweisungen anstoßen. Bringen Sie konkrete Alltagsbeispiele und möglichst Informationen zu Ihrer Schulzeit mit.
Bleiben meine Antworten anonym?
Ja. Der Test läuft vollständig in Ihrem Browser; Antworten und Punktwerte werden weder übertragen noch gespeichert, und Sie müssen keinerlei persönliche Angaben machen. Sie können also unbefangen ehrlich antworten – gerade bei einem sensiblen Thema wie ADHS ist das entscheidend, weil beschönigte Antworten das Ergebnis wertlos machen würden.
Quellen
- Kessler RC, Adler L, Ames M et al. (2005). The World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS): a short screening scale for use in the general population. Psychological Medicine, 35(2), 245–256.
- Faraone SV, Asherson P, Banaschewski T et al. (2015). Attention-deficit/hyperactivity disorder. Nature Reviews Disease Primers, 1, 15020.
- DGPPN, DGKJP, DGSPJ et al. (2017). Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“. AWMF-Registernummer 028-045.
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