Ihr Ergebnis · Doomscrolling-Test: Hängen Sie im Nachrichten-Strudel fest?
Zwanghaftes Doomscrolling (30–40 Punkte)
Der Nachrichtensog bestimmt weite Teile Ihres Tages: Sie scrollen, obwohl es Ihnen sichtbar schadet, und finden aus eigener Kraft kaum noch heraus. Zeit, sich Unterstützung zu holen.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihr Punktwert liegt im höchsten Bereich dieses Tests. Das spricht dafür, dass der Nachrichtenkonsum bei Ihnen die Züge eines zwanghaften Musters angenommen hat: Das Scrollen läuft weitgehend automatisiert ab, Versuche aufzuhören scheitern regelmäßig, und die emotionale Bilanz ist fast durchgehend negativ – mehr Angst, mehr Ohnmacht, mehr Erschöpfung.
Ein solches Muster entsteht selten aus dem Nichts. Häufig verbinden sich äußere Faktoren – eine bedrohlich empfundene Weltlage, algorithmisch optimierte Feeds – mit inneren, etwa einem starken Kontrollbedürfnis, bestehender Ängstlichkeit oder dem Versuch, unangenehme Gefühle durch Ablenkung zu regulieren. Das Scrollen ist dann weniger das Problem selbst als eine Bewältigungsstrategie, die nach hinten losgeht.
Nehmen Sie dieses Ergebnis als deutlichen Hinweis, aber nicht als Urteil. Ein Online-Test kann keine Diagnose stellen, und zwanghaftes Nachrichtenverhalten ist keine offizielle Störungskategorie. Sicher ist nur: Ihr Leidensdruck scheint erheblich, und Sie müssen ihn nicht allein bewältigen – professionelle Unterstützung kann hier viel bewirken.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Vermutlich beginnt und endet Ihr Tag im Feed, und auch dazwischen vergeht kaum eine Stunde ohne den Griff zum Telefon. Verabredungen, Arbeit und Hobbys treten in Konkurrenz zum Nachrichtenstrom – und verlieren zunehmend. Möglicherweise haben Menschen aus Ihrem Umfeld Sie bereits mehrfach besorgt darauf angesprochen.
Körperlich und seelisch fordert dieses Pensum seinen Preis: verkürzter, unruhiger Schlaf, eine gedrückte oder ängstliche Grundstimmung, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme. Vielleicht bemerken Sie auch eine wachsende Hoffnungslosigkeit gegenüber der Welt insgesamt – eine typische Folge, wenn das Gehirn fast ausschließlich mit Krisenmaterial gefüttert wird.
Typische Situationen
Sie nehmen sich fest vor, das Telefon liegen zu lassen, und ertappen sich zehn Minuten später wieder im Feed – begleitet von Selbstvorwürfen. Halten Sie inne: Rückfälle sind bei automatisierten Verhaltensmustern die Regel, nicht das Scheitern. Registrieren Sie den Moment ohne Abwertung und setzen Sie die nächste Hürde eine Stufe höher, etwa durch Wegschließen des Geräts.
Eine große Krisenmeldung dominiert die Lage, und Ihr ganzer Körper drängt darauf, stündlich alles zu verfolgen. Benennen Sie das Gefühl dahinter – meist ist es Angst – und geben Sie ihm einen anderen Kanal: Rufen Sie einen vertrauten Menschen an und sprechen Sie zehn Minuten über Ihre Sorge. Verbundenheit reguliert Angst nachweislich besser als zusätzliche Information.
Beim Warten auf den Therapieplatz fragen Sie sich, ob sich überhaupt etwas ändern lässt. Führen Sie in dieser Zeit ein einfaches Protokoll: Wann gescrollt, wie lange, wie ging es Ihnen danach. Das schafft Abstand zum Automatismus, liefert der Fachperson später wertvolles Material – und macht erste kleine Fortschritte sichtbar.
Was können Sie jetzt tun?
Der wichtigste Rat steht an erster Stelle: Holen Sie sich professionelle Unterstützung. Ein Gespräch in einer psychotherapeutischen Sprechstunde oder bei Ihrer Hausärztin bzw. Ihrem Hausarzt klärt, ob hinter dem Scrollzwang eine Angstsymptomatik, eine depressive Entwicklung oder eine andere behandelbare Ursache steht. Termine für Erstgespräche lassen sich in Deutschland über die Terminservicestelle 116117 vermitteln.
Arbeiten Sie parallel mit radikaler Reizreduktion statt mit Appellen an die Disziplin: News-Apps deinstallieren, Feeds in allen Browsern abmelden, das Telefon zu festen Zeiten wegschließen oder einer Vertrauensperson geben. Bei einem so stark automatisierten Verhalten ist die Umgebung wirksamer als der Vorsatz – jede entfernte Einstiegsluke zählt.
Ersetzen Sie das Kontrollgefühl, das der Feed verspricht, durch echte Handlungsfähigkeit im Kleinen: eine Spende, ein Engagement, ein Gespräch über das, was Sie bewegt. Studien und klinische Erfahrung zeigen gleichermaßen, dass konkretes Handeln Ohnmachtsgefühle wirksamer lindert als die hundertste Meldung zum selben Ereignis.
Informieren Sie nahestehende Menschen über Ihre Situation und bitten Sie um konkrete Unterstützung. Das kann bedeuten, dass eine Vertrauensperson Ihr Telefon abends in Verwahrung nimmt, dass Sie gemeinsame Aktivitäten ohne Bildschirm verabreden oder dass jemand Sie regelmäßig fragt, wie es Ihnen mit dem Nachrichtenkonsum geht. Soziale Einbindung ist bei automatisierten Verhaltensmustern einer der wirksamsten Hebel.
Konkrete nächste Schritte
Vereinbaren Sie diese Woche einen konkreten Termin: psychotherapeutische Sprechstunde über die 116117, alternativ zunächst ein offenes Gespräch in Ihrer hausärztlichen Praxis über Schlaf, Anspannung und Nachrichtenkonsum.
Führen Sie noch heute die technische Vollbremsung durch: alle News- und Feed-Apps deinstallieren, Browser-Startseiten auf eine neutrale Seite stellen, Benachrichtigungen komplett deaktivieren.
Informieren Sie eine Vertrauensperson über Ihre Situation und bitten Sie um praktische Unterstützung – etwa gemeinsame telefonfreie Abende oder das Aufbewahren Ihres Geräts zu festgelegten Zeiten.
Ersetzen Sie die erste und letzte Stunde des Tages durch ein festes nachrichtenfreies Ritual und beginnen Sie ein kurzes Tagesprotokoll über Scrollzeiten und Stimmung als Grundlage für die weitere Begleitung.
Grenzen dieses Tests
Ein Wert im höchsten Bereich ist ein ernstzunehmendes Signal, aber keine Diagnose – dieser Test kann weder eine Zwangssymptomatik noch eine Angst- oder depressive Erkrankung feststellen oder ausschließen. Auch akute Belastungen wie persönliche Krisen können das Ergebnis vorübergehend nach oben treiben. Die Einordnung gehört in fachliche Hände.
Suchen Sie zeitnah ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe, wenn zusätzlich anhaltende Schlaflosigkeit, Panikattacken, tiefe Niedergeschlagenheit oder Gedanken an Selbstverletzung auftreten. In akuten Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – zögern Sie nicht, diese Angebote zu nutzen.
Bedenken Sie auch, dass ein hoher Wert in diesem Selbsttest unterschiedliche Ursachen haben kann. Bei manchen Menschen steht ein stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis im Vordergrund, bei anderen eine bereits bestehende Angststörung, wieder andere reagieren auf ein konkretes Lebensereignis, das die Weltlage bedrohlicher erscheinen lässt als sonst. Nur ein persönliches Gespräch mit einer Fachperson kann diese Hintergründe aufklären und passende Unterstützung vermitteln.
Passende Übungen
- Der bildschirmfreie Abend: Digital Detox, der wirklich durchhaltbar ist Ein Abend (ca. 3–4 Stunden), ideal wöchentlich
- 5-4-3-2-1-Methode: Erdung über die fünf Sinne bei Angst und Panik 3–5 Minuten
- Die Selbstmitgefühlspause nach Kristin Neff: Freundlich mit sich selbst in schweren Momenten 3–5 Minuten
Quellen
- Sharma B, Lee SS, Johnson BK (2022). The Dark at the End of the Tunnel: Doomscrolling on Social Media Newsfeeds. Technology, Mind, and Behavior, 3(1).
- McLaughlin B, Gotlieb MR, Mills DJ (2022). Caught in a Dangerous World: Problematic News Consumption and Its Relationship to Mental and Physical Ill-Being. Health Communication, 38(12).
- Satici SA, Gocet Tekin E, Deniz ME, Satici B (2023). Doomscrolling Scale: its Association with Personality Traits, Psychological Distress, Social Media Use, and Wellbeing. Applied Research in Quality of Life, 18, 833–847.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Entspannter Nachrichtenkonsum (0–9 Punkte)
Sie informieren sich, ohne sich vom Newsfeed vereinnahmen zu lassen. Nachrichten sind für Sie ein Werkzeug – kein Dauerbegleiter, der Ihre Stimmung diktiert.
- Gelegentliches Doomscrolling (10–19 Punkte)
Meist haben Sie Ihren Nachrichtenkonsum im Griff, doch hin und wieder zieht der Feed Sie tiefer hinein, als Ihnen guttut – vor allem an anstrengenden Tagen.
- Häufiges Doomscrolling (20–29 Punkte)
Der Nachrichtenstrudel hat sich in Ihrem Alltag festgesetzt: Sie scrollen regelmäßig länger als gewollt, und die ständige Krisenkost drückt spürbar auf Stimmung und Energie.