Ihr Ergebnis · Doomscrolling-Test: Hängen Sie im Nachrichten-Strudel fest?
Häufiges Doomscrolling (20–29 Punkte)
Der Nachrichtenstrudel hat sich in Ihrem Alltag festgesetzt: Sie scrollen regelmäßig länger als gewollt, und die ständige Krisenkost drückt spürbar auf Stimmung und Energie.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihr Punktwert weist auf ein verfestigtes Doomscrolling-Muster hin. Das Öffnen des Newsfeeds geschieht bei Ihnen vermutlich häufig automatisch, und der Ausstieg fällt schwer – selbst dann, wenn Sie merken, dass die Inhalte Sie belasten. Die Grenze zwischen Sich-informieren-Wollen und Nicht-aufhören-Können ist an vielen Tagen durchlässig geworden.
Forschungsarbeiten zu problematischem Nachrichtenkonsum zeigen, dass genau diese Kombination – hoher Konsum plus negative emotionale Wirkung plus erschwerte Kontrolle – mit erhöhter Anspannung, Erschöpfung und Schlafproblemen einhergehen kann. Ihr Testergebnis legt nahe, dass Sie mindestens einen Teil dieser Folgen bereits an sich beobachten.
Wichtig ist die richtige Einordnung: Sie sind weder willensschwach noch nachrichtensüchtig im klinischen Sinn. Feeds sind gezielt so gebaut, dass sie Aufmerksamkeit binden, und Bedrohungsmeldungen wirken auf das menschliche Gehirn besonders stark. Dass Sie hier gegensteuern müssen, ist keine persönliche Schwäche – aber es lohnt sich, jetzt strukturiert damit anzufangen.
Wie zeigt sich das im Alltag?
In Ihrem Alltag dürfte das Scrollen inzwischen mehrere feste Andockstellen haben: direkt nach dem Aufwachen, in jeder Pause, beim Warten, vor dem Einschlafen. Die Sessions dauern regelmäßig länger als geplant, und hinterher bleibt oft ein Gemisch aus Anspannung, Ohnmachtsgefühl und dem Ärger, schon wieder so viel Zeit verloren zu haben.
Auch Ihr Umfeld bekommt das vermutlich mit: halb gehörte Gespräche, weil parallel Schlagzeilen laufen, gereizte Reaktionen nach intensiven Nachrichtentagen, vielleicht erste Kommentare von Partnern oder Freunden. Die Konzentration bei der Arbeit kann leiden, weil Gedanken immer wieder zu den aktuellen Krisen zurückwandern.
Typische Situationen
Sie wachen auf und greifen noch im Halbschlaf zum Telefon, um zu prüfen, was über Nacht passiert ist. Versuchen Sie einen Tausch: Das Telefon lädt künftig im Flur, und die ersten fünfzehn Minuten des Tages gehören Ihnen – Kaffee, Fenster auf, drei tiefe Atemzüge. Die Weltlage hat sich um 7:15 Uhr selten anders entwickelt als um 7 Uhr.
Eine dramatische Nachrichtenlage entwickelt sich über Stunden, und Sie aktualisieren im Minutentakt. Fragen Sie sich in solchen Momenten laut: Ändert die nächste Meldung, was ich heute tun kann? Falls nein, verabreden Sie mit sich einen konkreten nächsten Check-Zeitpunkt in drei Stunden – das Gefühl von Kontrolle bleibt, der Dauersog nicht.
Nach einem langen Scrollabend liegen Sie wach und die Bilder und Schlagzeilen kreisen im Kopf. Stehen Sie kurz auf, schreiben Sie die drei drängendsten Gedanken auf einen Zettel und legen Sie ihn weg. Das Aufschreiben signalisiert dem Gehirn, dass nichts verloren geht – ein einfacher, oft wirksamer Trick gegen nächtliches Weitergrübeln.
Was können Sie jetzt tun?
Setzen Sie an der Verfügbarkeit an, nicht am Willen: Löschen Sie die Apps, in denen Sie am häufigsten hängen bleiben, vom Telefon und nutzen Sie Nachrichten nur noch im Browser mit Anmeldung. Jede zusätzliche Hürde zwischen Impuls und Feed verschafft Ihrem bewussten Ich einen Vorsprung von einigen Sekunden – oft genug, um sich anders zu entscheiden.
Ersetzen Sie die Dauerbeobachtung durch das Prinzip der verlässlichen Zusammenfassung: Wählen Sie ein einziges tägliches Format – etwa eine redaktionelle Abendsendung oder ein Briefing – und erklären Sie es für ausreichend. Sagen Sie sich aktiv: Was wirklich wichtig ist, steht dort. Diese Erlaubnis, nicht alles live zu verfolgen, entlastet mehr als jede App-Sperre.
Planen Sie bewusst Erholungsblöcke ohne Weltgeschehen ein, in denen Ihr Nervensystem herunterfahren kann: Bewegung draußen, Kochen, ein Treffen ohne Telefon auf dem Tisch. Doomscrolling füllt oft Leerstellen – wer die Abende vorab mit angenehmen Aktivitäten belegt, nimmt dem Feed seinen wichtigsten Verbündeten: die unstrukturierte Zeit.
Suchen Sie sich Verbündete in Ihrem Umfeld, die ähnliche Erfahrungen machen. Gemeinsame Verabredungen zu nachrichtenfreien Abenden oder regelmäßige kurze Gespräche über den eigenen Umgang mit Krisenmeldungen schaffen soziale Verbindlichkeit, die stärker wirkt als einsame Vorsätze. Auch der Austausch über gelungene Strategien und Rückfälle normalisiert das Thema und nimmt ihm die Scham.
Konkrete nächste Schritte
Räumen Sie heute Ihr Telefon um: News- und Feed-Apps vom Startbildschirm löschen oder deinstallieren, Benachrichtigungen aus, Graustufenmodus für die Abendstunden aktivieren.
Legen Sie ein einziges tägliches Informationsformat fest, das Ihre Nachrichtenversorgung übernimmt, und tragen Sie es wie einen Termin in Ihren Kalender ein.
Blocken Sie für die nächsten 14 Tage jeden Abend ab 21 Uhr als bildschirmfreie Zeit und bereiten Sie eine konkrete Alternative vor – Buch, Bad, Spaziergang, Gespräch.
Suchen Sie sich eine Verbündete oder einen Verbündeten: Erzählen Sie einer nahestehenden Person von Ihrem Vorhaben und vereinbaren Sie, sich gegenseitig nach zwei Wochen zu berichten, was sich verändert hat.
Grenzen dieses Tests
Dieser Test misst Verhaltenstendenzen, keine Diagnosen. Ein Wert in diesem Bereich sagt nicht, ob hinter Ihrem Scrollverhalten eine behandlungsbedürftige Angstproblematik, eine depressive Episode oder schlicht eine ungünstige Gewohnheit steht – diese Unterscheidung kann nur ein persönliches Gespräch mit einer Fachperson leisten.
Nehmen Sie körperliche und seelische Warnzeichen ernst: Wenn Sie seit Wochen schlecht schlafen, sich ständig bedroht fühlen, Grübelschleifen kaum stoppen können oder Ihre Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt, vereinbaren Sie einen Termin in Ihrer hausärztlichen Praxis oder bei einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Solche Beschwerden verdienen fachliche Begleitung, unabhängig vom Auslöser.
Berücksichtigen Sie außerdem, dass dieser Fragebogen Ihre Selbstwahrnehmung erfasst, nicht Ihr tatsächliches Verhalten. Menschen neigen dazu, die eigene Kontrolle über automatisierte Gewohnheiten zu überschätzen oder zu unterschätzen. Falls Sie unsicher sind, wie viel Zeit Sie wirklich im Nachrichtenfeed verbringen, kann eine Woche mit aktivierter Bildschirmzeiterfassung aufschlussreicher sein als jede Selbstauskunft.
Passende Übungen
Quellen
- Sharma B, Lee SS, Johnson BK (2022). The Dark at the End of the Tunnel: Doomscrolling on Social Media Newsfeeds. Technology, Mind, and Behavior, 3(1).
- McLaughlin B, Gotlieb MR, Mills DJ (2022). Caught in a Dangerous World: Problematic News Consumption and Its Relationship to Mental and Physical Ill-Being. Health Communication, 38(12).
- Satici SA, Gocet Tekin E, Deniz ME, Satici B (2023). Doomscrolling Scale: its Association with Personality Traits, Psychological Distress, Social Media Use, and Wellbeing. Applied Research in Quality of Life, 18, 833–847.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Entspannter Nachrichtenkonsum (0–9 Punkte)
Sie informieren sich, ohne sich vom Newsfeed vereinnahmen zu lassen. Nachrichten sind für Sie ein Werkzeug – kein Dauerbegleiter, der Ihre Stimmung diktiert.
- Gelegentliches Doomscrolling (10–19 Punkte)
Meist haben Sie Ihren Nachrichtenkonsum im Griff, doch hin und wieder zieht der Feed Sie tiefer hinein, als Ihnen guttut – vor allem an anstrengenden Tagen.
- Zwanghaftes Doomscrolling (30–40 Punkte)
Der Nachrichtensog bestimmt weite Teile Ihres Tages: Sie scrollen, obwohl es Ihnen sichtbar schadet, und finden aus eigener Kraft kaum noch heraus. Zeit, sich Unterstützung zu holen.