Ihr Ergebnis · Co-Abhängigkeit-Test: Wie sehr stellen Sie sich für Ihren Partner zurück?
Unauffällige Werte (0–11 Punkte)
Ihre Antworten zeigen kaum Anzeichen von Selbstaufgabe: Sie können sich kümmern, ohne sich zu verlieren, und behalten auch in der Beziehung ein eigenes Leben.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Mit 0 bis 11 Punkten liegen Ihre Werte im untersten Bereich der Skala. Die abgefragten Muster – das Kreisen um den Partner, die Retterrolle, das Schuldgefühl bei Selbstfürsorge – spielen in Ihrem Beziehungserleben derzeit kaum eine Rolle. Sie scheinen eine Balance gefunden zu haben, in der Anteilnahme und Eigenständigkeit nebeneinander existieren können.
Das schließt nicht aus, dass Sie sich um Ihren Partner sorgen oder ihm in schweren Phasen viel abnehmen – Fürsorge allein ist kein Warnzeichen. Der Unterschied liegt in der Freiwilligkeit und den Grenzen: Sie helfen offenbar, weil Sie es wollen, nicht weil Ihr Selbstwert oder Ihre Angst es verlangen, und Sie behalten dabei Zugriff auf Ihre eigenen Bedürfnisse.
Beachten Sie eine mögliche Verzerrung: Wer aktuell in keiner Partnerschaft lebt oder eine sehr junge Beziehung führt, beantwortet manche Fragen zwangsläufig niedrig. Das Ergebnis sagt dann wenig darüber aus, wie Sie sich in einer langjährigen oder belasteten Beziehung verhalten würden. Falls Sie den Test mit Blick auf eine frühere Beziehung wiederholen, kann das Bild anders ausfallen.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Menschen mit Werten in dieser Zone berichten typischerweise, dass sie Verabredungen mit Freunden nicht vom Befinden des Partners abhängig machen, eigene Pläne auch gegen leisen Widerstand umsetzen und ein Nein aussprechen können, ohne es tagelang zu bereuen. Die Beziehung ist ein wichtiger Teil des Lebens – aber nicht dessen einziger Träger.
Auch im Konfliktfall bleibt die Trennung der Zuständigkeiten meist intakt: Probleme des Partners dürfen dessen Probleme bleiben, Unterstützung wird angeboten statt aufgedrängt, und die eigene Stimmung erholt sich auch dann, wenn der andere noch schlecht gelaunt ist. Diese emotionale Eigenständigkeit ist ein stabiler Schutzfaktor für beide Seiten.
Auch das Alleinsein hat für Menschen in dieser Zone selten einen bedrohlichen Beiklang: Ein Abend, an dem der Partner unterwegs ist, füllt sich wie von selbst mit eigenen Vorhaben, und getrennte Urlaubstage oder Dienstreisen lösen eher Vorfreude auf das Wiedersehen aus als diffuse Unruhe. Wer gut allein sein kann, hilft aus freien Stücken – nicht aus Angst vor der Lücke, die sonst entstünde.
Typische Situationen
Ihr Partner hat schlechte Laune nach einem Arbeitstag. Sie hören zu, kochen Tee – und gehen danach trotzdem wie geplant zu Ihrem Sportkurs, ohne sich schuldig zu fühlen.
Eine Freundin bittet Sie kurzfristig um Hilfe beim Umzug am selben Tag, an dem Sie sich Erholung versprochen haben. Sie sagen ehrlich ab und schlagen einen anderen Tag vor.
Ihr Partner trifft eine Entscheidung, die Sie für unklug halten. Sie sagen einmal deutlich Ihre Meinung – und lassen ihn dann die Konsequenzen selbst tragen.
Was können Sie jetzt tun?
Akuter Handlungsbedarf besteht nicht – nutzen Sie das Ergebnis eher als Referenzpunkt. Beziehungsmuster verschieben sich schleichend, etwa wenn ein Partner erkrankt, eine Sucht entwickelt oder in eine Lebenskrise gerät. Wer seinen Ausgangswert kennt, bemerkt solche Verschiebungen früher.
Falls Sie Menschen in Ihrem Umfeld haben, die sich in einer Beziehung sichtbar aufreiben, kann Ihr Blick von außen wertvoll sein: nicht als Belehrung, sondern als geduldiges Gesprächsangebot. Angehörige von Suchtkranken etwa brauchen oft Jahre, bis sie eigene Unterstützung annehmen – ein nicht wertender Hinweis auf Beratungsstellen kann diesen Weg verkürzen.
Pflegen Sie weiterhin bewusst die Dinge, die Ihre Eigenständigkeit tragen: eigene Freundschaften, eigene Finanzen, eigene Erholungszeiten. Diese Säulen wirken unspektakulär, sind aber genau das, was in belasteten Beziehungsphasen den Unterschied zwischen gesunder Fürsorge und Selbstaufgabe ausmacht.
Achten Sie besonders auf Lebensübergänge, in denen Fürsorge plötzlich zur Hauptrolle werden kann – die Geburt eines Kindes, die Pflege eines Elternteils, eine schwere Erkrankung in der Familie. In solchen Phasen rutschen auch Menschen mit gesunder Balance vorübergehend in ein Versorgungsmuster; wer die eigenen Warnsignale kennt, findet danach leichter in die Gegenseitigkeit zurück.
Konkrete nächste Schritte
Notieren Sie sich Ihren heutigen Punktwert mit Datum, um bei späteren Messungen eine Vergleichsbasis zu haben.
Benennen Sie für sich die drei wichtigsten Säulen Ihrer Eigenständigkeit und prüfen Sie, ob jede davon im letzten Monat Raum bekommen hat.
Vereinbaren Sie mit sich selbst ein Warnsignal – zum Beispiel: Wenn ich zweimal in Folge eigene Pläne für die Stimmung des Partners absage, schaue ich genauer hin.
Wiederholen Sie den Test nach größeren Veränderungen in der Beziehung, etwa Krankheit, Jobverlust oder Krisen des Partners.
Grenzen dieses Tests
Ein niedriger Punktwert beruht auf Ihrer Selbstwahrnehmung – und gerade eingeschliffene Beziehungsmuster erkennt man an sich selbst oft zuletzt. Wenn nahestehende Menschen Ihnen wiederholt spiegeln, dass Sie sich zu viel aufladen, nehmen Sie diese Außensicht ernst, auch wenn der Test etwas anderes sagt.
Außerdem misst der Test nur ein spezifisches Muster. Andere Beziehungsthemen – etwa Konfliktvermeidung, Eifersucht oder Bindungsangst – bleiben unerfasst und können trotz unauffälliger Werte bestehen.
Passende Übungen
- Der Energie-Check-in: In drei Minuten wissen, wie es Ihnen wirklich geht 2–3 Minuten, zwei- bis dreimal täglich
- Nein sagen lernen: Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen 15 Minuten Vorbereitung, dann fortlaufend im Alltag
- Drei gute Dinge: Das Dankbarkeitstagebuch, das wirklich funktioniert 5–10 Minuten pro Abend
Quellen
- Fischer JL, Spann L, Crawford D (1991). Measuring Codependency. Alcoholism Treatment Quarterly, 8(1), 87–100.
- Dear GE, Roberts CM (2005). Validation of the Holyoake Codependency Index. The Journal of Psychology, 139(4), 293–313.
- Bacon I, McKay E, Reynolds F, McIntyre A (2020). The Lived Experience of Codependency: An Interpretative Phenomenological Analysis. International Journal of Mental Health and Addiction, 18, 754–771.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Leichte Tendenzen (12–23 Punkte)
Einzelne Muster der Selbstzurückstellung sind bei Ihnen erkennbar, dominieren aber nicht: Ein guter Zeitpunkt, um hinzuschauen, bevor sich Gewohnheiten verfestigen.
- Deutliche Muster (24–35 Punkte)
Die Selbstzurückstellung hat bei Ihnen System: Ihr Befinden, Ihre Zeit und Ihre Entscheidungen richten sich in weiten Teilen nach dem Partner. Jetzt gezielt gegenzusteuern lohnt sich.
- Stark ausgeprägte Muster (36–48 Punkte)
Ihr Leben kreist fast vollständig um den Partner: Retten, Anpassen und Selbstaufgabe bestimmen den Alltag. Bitte holen Sie sich Unterstützung – dieses Muster löst sich selten allein.