Co-Abhängigkeit-Test: Wie sehr stellen Sie sich für Ihren Partner zurück?
Ordnen Sie Ihr eigenes Leben dem Wohlbefinden Ihres Partners unter? Fühlen Sie sich verantwortlich dafür, ihn zu retten, zu stabilisieren oder vor Konsequenzen zu bewahren? Zwölf Fragen helfen Ihnen einzuschätzen, wie stark co-abhängige Verhaltensmuster Ihr Beziehungsleben derzeit prägen.
Worum geht es in diesem Test?
Der Begriff Co-Abhängigkeit stammt ursprünglich aus der Suchthilfe und beschrieb Angehörige, die das Trinken eines Familienmitglieds ungewollt mit aufrechterhalten – durch Entschuldigen, Vertuschen und ständiges Auffangen. Heute wird er breiter verwendet: für ein Beziehungsmuster, bei dem das eigene Befinden fast vollständig vom Zustand einer anderen Person abhängt und eigene Bedürfnisse chronisch hintangestellt werden, um den anderen zu versorgen, zu kontrollieren oder zu retten.
Dieser Selbsttest fragt zwölf typische Facetten dieses Musters ab: das Kreisen der Gedanken um den Partner, die Übernahme von Verantwortung für dessen Gefühle und Probleme, die Angst vor dem Alleinsein, das schlechte Gewissen bei Selbstfürsorge und die schleichende Aufgabe eigener Interessen, Freundschaften und Ziele. Ihr Punktwert zwischen 0 und 48 wird in vier Stufen eingeordnet – von unauffällig bis stark ausgeprägt.
Der Test richtet sich an Erwachsene, die sich fragen, ob ihre Fürsorge in einer Partnerschaft noch gesund ist oder bereits auf ihre Kosten geht – etwa an der Seite eines suchtkranken, psychisch belasteten oder chronisch unzuverlässigen Partners. Er kann auch für Menschen aufschlussreich sein, die in wechselnden Beziehungen immer wieder in der Rolle der Kümmernden landen und wissen möchten, wie tief dieses Muster reicht.
Mögliche Ergebnisse
- Unauffällige Werte (0–11 Punkte)
Ihre Antworten zeigen kaum Anzeichen von Selbstaufgabe: Sie können sich kümmern, ohne sich zu verlieren, und behalten auch in der Beziehung ein eigenes Leben.
- Leichte Tendenzen (12–23 Punkte)
Einzelne Muster der Selbstzurückstellung sind bei Ihnen erkennbar, dominieren aber nicht: Ein guter Zeitpunkt, um hinzuschauen, bevor sich Gewohnheiten verfestigen.
- Deutliche Muster (24–35 Punkte)
Die Selbstzurückstellung hat bei Ihnen System: Ihr Befinden, Ihre Zeit und Ihre Entscheidungen richten sich in weiten Teilen nach dem Partner. Jetzt gezielt gegenzusteuern lohnt sich.
- Stark ausgeprägte Muster (36–48 Punkte)
Ihr Leben kreist fast vollständig um den Partner: Retten, Anpassen und Selbstaufgabe bestimmen den Alltag. Bitte holen Sie sich Unterstützung – dieses Muster löst sich selten allein.
Methodik & Hintergrund
Die Fragen orientieren sich inhaltlich an etablierten Erhebungsinstrumenten wie der Spann-Fischer Codependency Scale und dem Holyoake Codependency Index, die Kernmerkmale wie externe Fokussierung, Selbstopferung und das Bedürfnis, andere zu steuern, erfassen. Die Antwortskala reicht von 0 („trifft gar nicht zu“) bis 4 („trifft voll zu“); drei positiv formulierte Aussagen zur Eigenständigkeit werden bei der Auswertung gespiegelt.
Eine wichtige Einschränkung vorab: Co-Abhängigkeit ist keine anerkannte Diagnose. Weder die internationale Klassifikation ICD noch das amerikanische DSM führen sie als eigenständige Störung, und in der Fachwelt wird diskutiert, ob der Begriff überhaupt trennscharf ist – schließlich überlappt er mit Selbstwertproblemen, Bindungsangst und erlernten Familienrollen. Der Test kann daher nur beschreiben, wie ausgeprägt bestimmte Verhaltens- und Denkmuster bei Ihnen sind, nicht, ob Sie „co-abhängig sind“.
Die vier Auswertungsstufen sind inhaltlich begründete Orientierungsbereiche, keine klinisch validierten Grenzwerte. Ihre Antworten hängen zudem von der aktuellen Beziehung ab: Wer gerade eine Krise des Partners begleitet, erzielt vorübergehend höhere Werte, ohne dass ein überdauerndes Muster vorliegen muss. Bei hohem Leidensdruck – ständiger Erschöpfung, Angst, aufgegebenem Eigenleben – ist eine professionelle Einschätzung durch eine Beratungsstelle oder Psychotherapeutin sinnvoller als jeder Selbsttest.
Häufige Fragen
Ist Co-Abhängigkeit eine anerkannte psychische Erkrankung?
Nein. Weder ICD noch DSM führen Co-Abhängigkeit als eigenständige Diagnose, und der Begriff wird in der Fachwelt durchaus kritisch diskutiert. Er beschreibt ein Verhaltens- und Beziehungsmuster, keine Krankheit. Das macht das Leiden dahinter nicht weniger real: Die beschriebenen Muster gehen häufig mit Erschöpfung, Angst und depressiven Symptomen einher, und für Betroffene existieren wirksame Beratungs- und Therapieangebote.
Worin unterscheidet sich gesunde Fürsorge von Co-Abhängigkeit?
An drei Merkmalen: Freiwilligkeit, Grenzen und Gegenseitigkeit. Gesunde Fürsorge ist eine Entscheidung, die auch ein Nein kennt und die eigene Person nicht dauerhaft hintanstellt. Co-abhängige Fürsorge fühlt sich dagegen alternativlos an, wird von Schuldgefühlen bewacht und fließt fast nur in eine Richtung. Entscheidend ist außerdem die Wirkung: Hilfe, die den anderen dauerhaft von Konsequenzen abschirmt, hält Probleme oft eher aufrecht.
Betrifft Co-Abhängigkeit nur Partner von Suchtkranken?
Nein. Der Begriff entstand zwar in der Suchthilfe, doch die zugrunde liegenden Muster – Selbstwert über Gebrauchtwerden, Verantwortungsübernahme für fremde Gefühle, Angst vor Verlassenwerden – zeigen sich auch in Beziehungen mit psychisch belasteten, chronisch kranken oder schlicht dominanten Partnern und sogar in Freundschaften oder gegenüber Eltern. Der Test fragt das Muster ab, unabhängig davon, wodurch es beim Gegenüber ausgelöst wird.
Kann ich das Muster verändern, ohne die Beziehung zu beenden?
In vielen Fällen ja. Ziel der Veränderung ist zunächst nicht die Trennung, sondern die Wiederherstellung von Grenzen und Eigenleben: eigene Freundschaften, eigene Zuständigkeiten, ein Nein ohne tagelange Schuldgefühle. Manche Beziehungen gewinnen dadurch sogar, weil Groll und stille Erschöpfung abnehmen. Ob die Partnerschaft diese Neuverteilung mitträgt, zeigt sich allerdings erst im Prozess – auch dafür ist begleitende Beratung wertvoll.
Bleiben meine Antworten auf diesem Gerät?
Ja. Der Test wird vollständig in Ihrem Browser ausgewertet; Ihre Angaben werden weder übertragen noch gespeichert, und es ist keine Anmeldung erforderlich. Gerade bei einem so persönlichen Thema können Sie daher ohne Bedenken ehrlich antworten – wovon die Aussagekraft des Ergebnisses unmittelbar profitiert.
Quellen
- Fischer JL, Spann L, Crawford D (1991). Measuring Codependency. Alcoholism Treatment Quarterly, 8(1), 87–100.
- Dear GE, Roberts CM (2005). Validation of the Holyoake Codependency Index. The Journal of Psychology, 139(4), 293–313.
- Bacon I, McKay E, Reynolds F, McIntyre A (2020). The Lived Experience of Codependency: An Interpretative Phenomenological Analysis. International Journal of Mental Health and Addiction, 18, 754–771.
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