Ihr Ergebnis · Boreout-Test: Sind Sie im Job chronisch unterfordert?
Erste Anzeichen von Unterforderung (10–19 Punkte)
Phasen von Leerlauf und Routine häufen sich bei Ihnen, ohne den Arbeitsalltag schon zu dominieren. Jetzt ist der günstigste Zeitpunkt zum Gegensteuern.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihr Wert zwischen 10 und 19 Punkten deutet auf wiederkehrende, aber noch nicht beherrschende Unterforderung hin: Manche Tage füllen Sie mühelos mit anspruchsvoller Arbeit, an anderen dehnt sich die Zeit, und Sie greifen zu Privatem oder Beschäftigungstheater, um Stunden zu überbrücken.
Entscheidend ist jetzt die Ursachenfrage. Handelt es sich um eine vorübergehende Flaute – etwa zwischen zwei Projekten, in der Sommerpause oder weil Zuarbeiten anderer ausstehen? Oder wächst da etwas Strukturelles, weil Ihre Aufgaben mit Ihren gewachsenen Fähigkeiten nicht Schritt gehalten haben?
Die Forschung zu Arbeitslangeweile legt nahe, dieses Stadium ernst zu nehmen: Wer Leerlauf über Monate hinnimmt, gewöhnt sich an ein abgesenktes Aktivitätsniveau, verliert Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und erlebt die Rückkehr zu fordernder Arbeit später als anstrengender.
Hilfreich ist auf dieser Stufe auch ein Blick auf die Verteilung: Ballen sich Ihre Zustimmungen bei der Aufgabenmenge, bei der inhaltlichen Tiefe oder beim Sinnerleben? Jede dieser Spuren verlangt eine andere Antwort – mehr Volumen, mehr Anspruch oder mehr sichtbaren Beitrag.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Alltagstypisch für diese Stufe sind einzelne zähe Nachmittage, an denen Sie E-Mails mehrfach lesen, Aufgaben künstlich strecken oder den Browser öffnen, ohne etwas Bestimmtes zu suchen – während andere Wochen wieder ganz normal gefüllt sind.
Viele Betroffene bemerken zudem eine leise Verschiebung im Selbstbild: Man erzählt im Freundeskreis seltener von der Arbeit, weil es wenig Berichtenswertes gibt, und beginnt Sätze wie den, dass man für sein Geld eigentlich zu wenig tue – halb im Scherz, halb mit schlechtem Gewissen.
Körperlich macht sich schleichende Unterforderung oft früher bemerkbar als gedanklich: bleierne Nachmittagsmüdigkeit trotz ausreichend Schlaf, auffällig viele Gänge zur Kaffeemaschine, Naschen aus Reizmangel statt Hunger. Auch die Konzentration verhält sich wie ein Muskel – wer sie wochenlang kaum benutzt, dem fällt selbst die seltene anspruchsvolle Aufgabe plötzlich schwerer als früher.
Typische Situationen
Sie haben ein großes Arbeitspaket früher als geplant abgeschlossen, und für die nächsten zwei Wochen ist nichts eingeplant: Melden Sie die freie Kapazität mit einem konkreten Vorschlag, woran Sie arbeiten möchten.
Ihre To-do-Liste besteht zunehmend aus Warten auf Rückmeldungen anderer: Vereinbaren Sie feste Lieferzeitpunkte und reservieren Sie die Wartezeit für ein eigenes Entwicklungsthema.
Im Team wird eine neue Aufgabe verteilt, die niemand übernehmen will, die Sie aber fachlich reizen würde: Greifen Sie zu, auch wenn sie unbequem wirkt – sie ist Ihr Ausweg aus der Routine.
Sie ertappen sich dabei, eine Zwei-Stunden-Aufgabe über den ganzen Tag zu strecken: Nehmen Sie das als Signal, nicht als Normalität, und notieren Sie, wie oft es vorkommt.
Was können Sie jetzt tun?
Handeln Sie, solange das Thema klein ist. Sprechen Sie freie Kapazitäten aktiv an, bevor jemand anderes sie bemerkt: Wer selbst zusätzliche Verantwortung anfragt, gestaltet die Auswahl mit; wer wartet, bekommt Restarbeit zugeteilt, die die Unterforderung qualitativ verschärft.
Arbeiten Sie mit dem Prinzip des Job Crafting: Suchen Sie in Ihrem bestehenden Aufgabenpaket gezielt Anteile, die sich ausbauen lassen – ein Prozess, den Sie verbessern, ein Werkzeug, das Sie für das Team einführen, eine Schnittstelle, die Sie übernehmen. Kleine selbstgeschaffene Herausforderungen wirken der Zeitdehnung unmittelbar entgegen.
Nutzen Sie echte Leerlaufstunden systematisch für Ihre Entwicklung statt für Beschäftigungstheater: eine Fachzertifizierung, das Einarbeiten in ein Nachbarthema, der Aufbau interner Kontakte. So verwandeln Sie totgeschlagene Zeit in Verhandlungsmasse für die nächste Rolle.
Setzen Sie sich außerdem eigene Taktvorgaben, bevor die Dehnung zur Gewohnheit wird: Legen Sie für jede Aufgabe vorab fest, wie viel Zeit sie realistisch verdient, und beenden Sie sie dann auch. Dieses bewusste Arbeiten gegen das parkinsonsche Gesetz – Arbeit dehnt sich auf die verfügbare Zeit aus – hält Ihr Leistungsniveau intakt, bis strukturell mehr Anspruch da ist.
Konkrete nächste Schritte
Führen Sie zwei Wochen lang eine einfache Strichliste: Wie viele Stunden pro Tag waren echte, fordernde Arbeit, wie viele Leerlauf oder Streckung?
Erstellen Sie eine Wunschliste mit drei Aufgabenarten, die Sie übernehmen möchten – konkret genug, dass Ihre Führungskraft direkt zustimmen könnte.
Vereinbaren Sie ein Gespräch und präsentieren Sie Kapazität plus Wunschliste als Angebot, nicht als Beschwerde.
Starten Sie parallel ein Lernprojekt mit festem Wochenslot, das Ihre Leerlaufzeit sofort sinnvoll füllt.
Grenzen dieses Tests
Ein mittlerer Wert kann schlicht eine ruhige Phase abbilden – nach einem intensiven Jahresendspurt oder während der Urlaubszeit sind solche Ergebnisse normal und kein Grund zur Beunruhigung. Wiederholen Sie den Test nach vier bis sechs Wochen, bevor Sie größere Schlüsse ziehen.
Der Fragebogen unterscheidet nicht, ob Ihr Leerlauf aus zu wenig Arbeitsmenge oder aus zu geringem Anspruch entsteht; für die Wahl der richtigen Gegenmaßnahme müssen Sie diese Unterscheidung selbst treffen.
Unklar bleibt auch der Maßstab Ihrer Antworten: Dieselbe Aufgabenlage fühlt sich für eine ehrgeizige Berufseinsteigerin anders an als für jemanden, der bewusst kürzertritt. Ihr Wert misst die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit – wie groß Ihr Anspruch ist, müssen Sie selbst dazulegen.
Passende Übungen
Quellen
- Rothlin P, Werder PR (2007). Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht. Heidelberg: Redline Wirtschaft.
- Reijseger G, Schaufeli WB, Peeters MCW, Taris TW, van Beek I, Ouweneel E (2013). Watching the paint dry at work: psychometric examination of the Dutch Boredom Scale. Anxiety, Stress & Coping, 26(5), 508–525.
- Harju L, Hakanen JJ, Schaufeli WB (2014). Job Boredom and Its Correlates in 87 Finnish Organizations. Journal of Occupational and Environmental Medicine, 56(9), 911–918.
- Fisher CD (1993). Boredom at Work: A Neglected Concept. Human Relations, 46(3), 395–417.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Ausgelastet und eingebunden (0–9 Punkte)
Aufgabenmenge und Anspruchsniveau passen derzeit gut zu Ihren Fähigkeiten. Langeweile und Sinnzweifel spielen in Ihrem Arbeitsalltag kaum eine Rolle.
- Deutliche Unterforderung (20–29 Punkte)
Langeweile, Zeitdehnung und Sinnzweifel prägen Ihren Arbeitsalltag bereits spürbar. Ohne aktive Veränderung droht sich dieser Zustand zu verfestigen.
- Ausgeprägte Boreout-Signale (30–40 Punkte)
Ihre Antworten verdichten sich zu einem Bild chronischer Unterforderung mit Sinnleere und Erschöpfung. Dieser Zustand verdient entschlossenes Handeln – und bei anhaltend gedrückter Stimmung eine professionelle Abklärung.