Boreout-Test: Sind Sie im Job chronisch unterfordert?
Zehn Aussagen zu Langeweile, Sinnerleben und dem Gefühl, unter den eigenen Möglichkeiten zu arbeiten. Ihr Punktwert ordnet Sie einer von vier Stufen zwischen guter Auslastung und ausgeprägten Boreout-Signalen zu – mit konkreten Schritten für mehr Herausforderung im Berufsalltag.
Worum geht es in diesem Test?
Boreout beschreibt das Gegenstück zur Überlastung: Beschäftigte haben zu wenig zu tun, die vorhandenen Aufgaben fordern sie nicht, und der Sinn der eigenen Tätigkeit verblasst. Die Berater Philippe Rothlin und Peter Werder prägten den Begriff 2007 und beschrieben drei Bausteine – quantitative und qualitative Unterforderung, anhaltende Langeweile und wachsendes Desinteresse. Weil Nichtstun am Arbeitsplatz tabuisiert ist, verbergen viele Betroffene ihren Leerlauf und leiden im Stillen.
Dieser Selbsttest fragt genau diese drei Bausteine mit zehn Aussagen ab. Sie geben jeweils an, wie häufig Sie das Beschriebene erleben, und erhalten einen Punktwert zwischen 0 und 40. Vier Stufen – von guter Auslastung über erste und deutliche Unterforderung bis zu ausgeprägten Boreout-Signalen – ordnen das Ergebnis ein. Zu jeder Stufe lesen Sie eine Interpretation, typische Alltagsphänomene, Handlungsempfehlungen und konkrete nächste Schritte.
Gedacht ist der Test für Beschäftigte, die ihre Arbeitstage als zäh erleben, sich fragen, wozu ihre Tätigkeit eigentlich gut ist, oder den Verdacht haben, weit unter ihren Fähigkeiten eingesetzt zu sein. Er misst Ihr subjektives Erleben von Unterforderung – nicht Ihre Leistung, Ihren Fleiß oder den Wert Ihrer Arbeit. Ein hoher Wert sagt nichts Negatives über Sie als Person aus.
Mögliche Ergebnisse
- Ausgelastet und eingebunden (0–9 Punkte)
Aufgabenmenge und Anspruchsniveau passen derzeit gut zu Ihren Fähigkeiten. Langeweile und Sinnzweifel spielen in Ihrem Arbeitsalltag kaum eine Rolle.
- Erste Anzeichen von Unterforderung (10–19 Punkte)
Phasen von Leerlauf und Routine häufen sich bei Ihnen, ohne den Arbeitsalltag schon zu dominieren. Jetzt ist der günstigste Zeitpunkt zum Gegensteuern.
- Deutliche Unterforderung (20–29 Punkte)
Langeweile, Zeitdehnung und Sinnzweifel prägen Ihren Arbeitsalltag bereits spürbar. Ohne aktive Veränderung droht sich dieser Zustand zu verfestigen.
- Ausgeprägte Boreout-Signale (30–40 Punkte)
Ihre Antworten verdichten sich zu einem Bild chronischer Unterforderung mit Sinnleere und Erschöpfung. Dieser Zustand verdient entschlossenes Handeln – und bei anhaltend gedrückter Stimmung eine professionelle Abklärung.
Methodik & Hintergrund
Inhaltlich stützt sich der Fragebogen auf das Boreout-Konzept von Rothlin und Werder (2007) sowie auf die Forschung zu Arbeitslangeweile: Reijseger und Kollegen (2013) entwickelten mit der Dutch Boredom Scale ein geprüftes Messinstrument, das Langeweile über Zeitdehnung, Ablenkungsverhalten und fehlende Stimulation erfasst. Harju, Hakanen und Schaufeli (2014) zeigten in 87 finnischen Organisationen, dass Job-Langeweile mit Stresssymptomen, Wechselabsichten und schlechterer Selbsteinschätzung der Gesundheit einhergeht.
Beantwortet wird jede Aussage auf einer fünfstufigen Häufigkeitsskala von 0 bis 4. Drei positiv formulierte Aussagen – zu herausfordernden Aufgaben, Vertiefungserleben und inhaltlich reizvollen neuen Tätigkeiten – gehen gespiegelt in die Summe ein. Je höher der Gesamtwert, desto verdichteter die Hinweise auf Unterforderung, Langeweile und Sinnleere. Die vier Bereichsgrenzen teilen den Wertebereich gleichmäßig auf; sie sind eine Lesehilfe, keine empirisch normierten Schwellen.
Wichtig für die Einordnung: Dieses Screening ist kein diagnostisches Instrument. Boreout ist keine anerkannte medizinische Diagnose und in keinem Klassifikationssystem verzeichnet; einzelne Beschwerden wie Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung oder Erschöpfung können ebenso auf eine Depression oder andere behandlungsbedürftige Zustände hinweisen. Der Test bildet zudem nur eine Momentaufnahme Ihres Erlebens ab – ruhige Projektphasen, Urlaubsnähe oder private Belastungen färben die Antworten mit.
Häufige Fragen
Was genau ist ein Boreout?
Der Begriff beschreibt einen Belastungszustand durch chronische Unterforderung im Beruf. Er setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: zu wenig oder zu anspruchslose Arbeit, anhaltende Langeweile mit gedehntem Zeiterleben und wachsende innere Distanz bis hin zur Sinnleere. Geprägt wurde das Konzept 2007 von Philippe Rothlin und Peter Werder. Kennzeichnend ist, dass Betroffene ihren Leerlauf meist verbergen und nach außen Geschäftigkeit vortäuschen – was den Zustand paradoxerweise anstrengend macht.
Worin unterscheidet sich Boreout von Burnout?
Beide Zustände können in Erschöpfung, Gereiztheit und innerem Rückzug münden – ihre Quelle ist jedoch entgegengesetzt. Burnout entsteht typischerweise aus chronischer Überbeanspruchung: zu viele Anforderungen bei zu wenig Erholung. Boreout entsteht aus dem Gegenteil, nämlich dauerhaft fehlender Beanspruchung und Stimulation. Weil die sichtbaren Endzustände sich ähneln, wird Unterforderung im Umfeld oft fälschlich als Überlastung oder als Motivationsmangel gedeutet. Für die Gegenmaßnahmen ist die Unterscheidung entscheidend: Entlastung hilft beim einen, Herausforderung beim anderen.
Ist Boreout eine anerkannte medizinische Diagnose?
Nein. Boreout ist ein Beschreibungsmodell aus der Management- und Arbeitsliteratur und in keinem medizinischen Klassifikationssystem als Krankheit verzeichnet. Das macht das Erleben der Betroffenen nicht weniger real – Studien verbinden Arbeitslangeweile mit Stresssymptomen und Wechselabsichten. Es bedeutet aber: Dieser Test kann nur Hinweise auf Unterforderung bündeln. Anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Erschöpfung sollten fachlich abgeklärt werden, weil dahinter auch eine behandlungsbedürftige Erkrankung wie eine Depression stehen kann.
Werden meine Antworten irgendwo gespeichert oder übertragen?
Nein. Ihre Angaben verlassen Ihr Gerät nicht: Punktsumme und Ergebniszuordnung entstehen unmittelbar im Browser auf Ihrem Rechner oder Smartphone, ohne dass Antworten an einen Server geschickt, dort abgelegt oder mit Dritten geteilt werden. Sie können den Test daher auch bei sensiblen Themen wie diesem unbesorgt durchführen. Nach dem Schließen der Seite sind die Eingaben weg – notieren Sie sich Ihren Punktwert, falls Sie ihn später mit einer Wiederholung vergleichen möchten.
Ich habe einen hohen Wert – muss ich jetzt kündigen?
Nicht zwangsläufig. Ein hoher Wert zeigt eine schlechte Passung zwischen Ihren Fähigkeiten und Ihrem aktuellen Aufgabenzuschnitt – und der lässt sich oft innerhalb des bestehenden Arbeitsverhältnisses verändern: durch ein vorbereitetes Gespräch mit konkreten Aufgabenvorschlägen, interne Projektmitarbeit oder einen Abteilungswechsel. Eine Kündigung ist die richtige Antwort, wenn solche Versuche wiederholt gescheitert sind oder die Organisation Ihre Fähigkeiten strukturell nicht benötigt. Treffen Sie diese Entscheidung geplant, mit finanzieller Rücklage und möglichst mit Anschlussperspektive.
Quellen
- Rothlin P, Werder PR (2007). Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht. Heidelberg: Redline Wirtschaft.
- Reijseger G, Schaufeli WB, Peeters MCW, Taris TW, van Beek I, Ouweneel E (2013). Watching the paint dry at work: psychometric examination of the Dutch Boredom Scale. Anxiety, Stress & Coping, 26(5), 508–525.
- Harju L, Hakanen JJ, Schaufeli WB (2014). Job Boredom and Its Correlates in 87 Finnish Organizations. Journal of Occupational and Environmental Medicine, 56(9), 911–918.
- Fisher CD (1993). Boredom at Work: A Neglected Concept. Human Relations, 46(3), 395–417.
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