Ihr Ergebnis · Boreout-Test: Sind Sie im Job chronisch unterfordert?
Ausgelastet und eingebunden (0–9 Punkte)
Aufgabenmenge und Anspruchsniveau passen derzeit gut zu Ihren Fähigkeiten. Langeweile und Sinnzweifel spielen in Ihrem Arbeitsalltag kaum eine Rolle.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Mit 0 bis 9 Punkten berichten Sie nur vereinzelt von Leerlauf, Zeitdehnung oder Sinnfragen. Ihre Antworten sprechen dafür, dass Ihre Tätigkeit Sie in einem gesunden Maß beansprucht: Es gibt genug zu tun, die Aufgaben verlangen Ihnen etwas ab, und Sie erleben Phasen echter Vertiefung.
Diese Konstellation nennt die Arbeitspsychologie eine gute Passung zwischen Anforderungen und Fähigkeiten – die Grundvoraussetzung dafür, dass Arbeit als sinnvoll und belebend erlebt wird statt als zäh. Auch die Gefahr, sich beschäftigt geben zu müssen, kennen Sie offenbar kaum.
Prüfen Sie dennoch kurz, ob Ihr niedriger Wert die Lage ehrlich abbildet: Wer gerade in einer intensiven Projektphase steckt, vergisst leicht, wie sich die stilleren Monate davor angefühlt haben. Vergleichen Sie das Ergebnis gedanklich mit einem typischen Durchschnittsmonat, nicht nur mit der aktuellen Woche.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Im Alltag zeigt sich Ihr Profil daran, dass Arbeitstage gefühlt schnell vergehen, Sie am Feierabend benennen können, was Sie geschafft haben, und der Blick auf die Uhr eher der Sorge gilt, nicht fertig zu werden – nicht der Hoffnung, dass es endlich vorbei ist.
Typisch ist außerdem ein stabiles Energieniveau: Nach der Arbeit bleibt genug Kraft für Privates, und der Wochenbeginn löst keine innere Schwere aus. Kleine Durststrecken mit Routinetätigkeiten stecken Sie weg, weil absehbar wieder Reizvolleres folgt.
Auch Ihre Einbindung ins Gefüge stimmt in der Regel: Kolleginnen holen Ihre Einschätzung ein, Ihr Kalender enthält Termine mit Substanz statt Alibirunden, und wenn Sie im Urlaub sind, bleibt spürbar etwas liegen. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden, ist ein stiller, aber kräftiger Baustein von Arbeitszufriedenheit – sein Fehlen bemerken die meisten erst, wenn es weg ist.
Typische Situationen
Ein mehrjähriges Projekt läuft aus, und die Folgeaufgaben sind reine Pflege des Bestehenden: Jetzt entscheidet sich, ob Sie rechtzeitig neue Herausforderungen einfordern oder langsam in den Leerlauf rutschen.
Im Jahresgespräch lobt Ihre Führungskraft die reibungslose Routine und plant keine Veränderung: Bringen Sie selbst ein Entwicklungsthema mit, bevor Stillstand zur Standardannahme wird.
Eine Kollegin gesteht Ihnen, dass sie ihre Tage kaum gefüllt bekommt: Reagieren Sie ohne Bewertung und ermutigen Sie sie, das Thema als Aufgabenzuschnitts-Frage – nicht als persönliches Versagen – bei der Führungskraft zu platzieren.
Ihnen wird eine Beförderung in eine Rolle mit weniger Fachtiefe angeboten: Prüfen Sie ehrlich, ob die neuen Anforderungen Ihr Bedürfnis nach inhaltlicher Herausforderung weiter bedienen würden.
Was können Sie jetzt tun?
Erhalten Sie diesen Zustand aktiv, statt ihn als selbstverständlich zu nehmen. Auslastung kippt selten über Nacht, sondern schleichend – etwa wenn ein großes Projekt endet, eine Umstrukturierung Ihnen Verantwortung entzieht oder Sie eine Tätigkeit nach Jahren vollständig automatisiert beherrschen.
Halten Sie Ihre Lernkurve bewusst am Laufen: Vereinbaren Sie pro Jahr mindestens ein Entwicklungsziel, das über Ihre Routine hinausgeht, und beobachten Sie, welche Aufgaben Ihnen Vertiefungserleben verschaffen. Diese Information ist Gold wert, wenn künftig neue Rollen oder Projekte verteilt werden.
Nutzen Sie Ihre komfortable Position auch für andere: Wenn Sie im Umfeld jemanden erleben, der auffällig oft Zeit totschlägt oder sich abwertend über die eigene Tätigkeit äußert, kann ein wohlwollendes Gespräch mehr bewirken als jeder Appell von oben – Unterforderung wird aus Scham selten offen angesprochen.
Dokumentieren Sie in guten Phasen, was Ihre Rolle tragfähig macht – etwa das Verhältnis von Routine zu Neuem, die Entscheidungsspielräume, den direkten Draht zu Ergebnissen. Eine solche persönliche Passungsbeschreibung wird zum Kompass, wenn irgendwann ein Stellenwechsel, eine Reorganisation oder ein verlockendes Angebot ansteht: Sie wissen dann präzise, welche Zutaten nicht verhandelbar sind.
Konkrete nächste Schritte
Tragen Sie sich einen Selbst-Check pro Quartal in den Kalender ein: drei Minuten, in denen Sie notieren, wie fordernd und sinnvoll die letzten Wochen waren.
Formulieren Sie ein konkretes Lernziel für die nächsten zwölf Monate und besprechen Sie es beim nächsten regulären Termin mit Ihrer Führungskraft.
Notieren Sie über zwei Wochen, bei welchen Tätigkeiten Sie die Zeit vergessen – und sorgen Sie dafür, dass genau diese Anteile in Ihrer Rolle nicht wegrationalisiert werden.
Bieten Sie einer neuen oder unterforderten Person im Team eine Mentorenrolle an; Wissensweitergabe hält auch Ihre eigene Tätigkeit abwechslungsreich.
Grenzen dieses Tests
Ein niedriger Punktwert ist eine Momentaufnahme Ihres subjektiven Erlebens, keine Garantie: Mit dem nächsten Aufgabenzuschnitt, einem Führungswechsel oder dem Abschluss eines Großprojekts kann sich die Lage binnen Wochen verändern.
Der Test misst ausschließlich Unterforderung. Über andere Belastungsformen – zu viel Arbeit, Konflikte, fehlende Wertschätzung – sagt Ihr Ergebnis nichts aus; ein guter Wert hier schließt Überlastung an anderer Stelle nicht aus.
Denkbar ist schließlich, dass ein niedriger Wert nicht Passung, sondern Genügsamkeit spiegelt: Wer nie erlebt hat, wie sich wirklich fordernde Arbeit anfühlt, vermisst sie auch nicht. Falls Sie beim Lesen der Fragen eher Gleichmut als Zustimmung empfanden, könnte in Ihrer Rolle mehr Entwicklungspotenzial stecken, als der Punktwert nahelegt.
Passende Übungen
Quellen
- Rothlin P, Werder PR (2007). Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht. Heidelberg: Redline Wirtschaft.
- Reijseger G, Schaufeli WB, Peeters MCW, Taris TW, van Beek I, Ouweneel E (2013). Watching the paint dry at work: psychometric examination of the Dutch Boredom Scale. Anxiety, Stress & Coping, 26(5), 508–525.
- Harju L, Hakanen JJ, Schaufeli WB (2014). Job Boredom and Its Correlates in 87 Finnish Organizations. Journal of Occupational and Environmental Medicine, 56(9), 911–918.
- Fisher CD (1993). Boredom at Work: A Neglected Concept. Human Relations, 46(3), 395–417.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Erste Anzeichen von Unterforderung (10–19 Punkte)
Phasen von Leerlauf und Routine häufen sich bei Ihnen, ohne den Arbeitsalltag schon zu dominieren. Jetzt ist der günstigste Zeitpunkt zum Gegensteuern.
- Deutliche Unterforderung (20–29 Punkte)
Langeweile, Zeitdehnung und Sinnzweifel prägen Ihren Arbeitsalltag bereits spürbar. Ohne aktive Veränderung droht sich dieser Zustand zu verfestigen.
- Ausgeprägte Boreout-Signale (30–40 Punkte)
Ihre Antworten verdichten sich zu einem Bild chronischer Unterforderung mit Sinnleere und Erschöpfung. Dieser Zustand verdient entschlossenes Handeln – und bei anhaltend gedrückter Stimmung eine professionelle Abklärung.