GAD-7: Der Kurzfragebogen für generalisierte Angst
Der GAD-7 (Generalized Anxiety Disorder Scale, 7 Items) ist eines der weltweit meistgenutzten Screening-Instrumente für Angstsymptome. Das Forscherteam um Robert Spitzer und Kurt Kroenke stellte ihn 2006 gemeinsam mit Janet Williams und Bernd Löwe als kurzes, praxistaugliches Werkzeug vor für die hausärztliche Versorgung. In nur wenigen Minuten liefert er einen Anhaltspunkt dafür, wie stark eine Person in den vergangenen zwei Wochen unter Anspannung, Sorgen und Nervosität gelitten hat.
Ursprünglich für die Erkennung der generalisierten Angststörung konzipiert, hat sich der Fragebogen in Studien auch als brauchbarer Indikator für Panikstörung, soziale Angststörung und posttraumatische Belastungssymptome erwiesen. Deshalb wird er heute oft als allgemeines Angst-Screening eingesetzt – in Arztpraxen, Kliniken, Studien und zunehmend auch in Online-Selbsttests.
Wichtig für die Einordnung: Der GAD-7 ist ein Screening-Verfahren. Ein erhöhter Punktwert bedeutet nicht automatisch, dass eine Angststörung vorliegt – er zeigt lediglich an, dass eine genauere fachliche Abklärung sinnvoll wäre.
Auf einen Blick
- Items
- 7 Fragen zu Angstsymptomen der letzten 2 Wochen
- Autoren
- Spitzer, Kroenke, Williams & Löwe (2006)
- Antwortformat
- 4-stufig: 0 = überhaupt nicht bis 3 = beinahe jeden Tag
- Punktbereich
- 0 bis 21 Punkte (Summenwert)
- Cutoffs
- 5 = mild, 10 = moderat, 15 = schwer; ab 10 gilt Abklärung als empfohlen
- Bearbeitungsdauer
- Etwa 1 bis 3 Minuten
- Einsatzgebiet
- Screening in Primärversorgung, Verlaufsmessung, Forschung
Hintergrund und Entwicklung
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, werden in der Grundversorgung aber oft übersehen, weil Betroffene primär körperliche Beschwerden schildern. Spitzer und Kollegen wollten dem mit einem Instrument begegnen, das kurz genug für den Praxisalltag ist und dennoch zuverlässig misst. Aus einem ursprünglichen Pool von 13 Items, die sich an den DSM-IV-Kriterien der generalisierten Angststörung orientierten, blieben nach statistischer Prüfung an fast 3.000 Patientinnen und Patienten die sieben trennschärfsten übrig.
Die Fragen erfassen unter anderem Nervosität, unkontrollierbares Sorgen, Anspannung, Ruhelosigkeit und Reizbarkeit. Erfragt wird jeweils, wie häufig das Symptom in den letzten 14 Tagen aufgetreten ist – ein Zeitfenster, das den GAD-7 auch für Verlaufsmessungen unter Therapie geeignet macht.
Auswertung: Punktwerte und Schwellen
Die sieben Antworten werden schlicht addiert, sodass ein Summenwert zwischen 0 und 21 entsteht. In der Originalpublikation markieren die Schwellen 5, 10 und 15 Punkte den Übergang zu milder, moderater bzw. schwerer Angstsymptomatik. Der Cutoff von 10 Punkten hat sich als praktikabler Schwellenwert etabliert: In der Validierungsstudie erkannte er 89 Prozent der Personen mit generalisierter Angststörung (Sensitivität) und schloss 82 Prozent der Gesunden korrekt aus (Spezifität).
Für Verlaufsmessungen wird häufig eine Veränderung um mindestens 4 Punkte als klinisch bedeutsam angesehen, wobei diese Konvention je nach Studie variiert. Wer den Fragebogen wiederholt ausfüllt, sollte Tagesform und aktuelle Belastungen im Hinterkopf behalten – einzelne Messzeitpunkte können schwanken.
Messqualität im Forschungsstand
Die psychometrischen Kennwerte des GAD-7 fallen durchweg gut aus. Die interne Konsistenz lag in der Originalstichprobe bei Cronbachs Alpha = .92, die Retest-Reliabilität über eine Woche bei .83. Die deutsche Fassung wurde unter anderem von Löwe und Kollegen an einer großen Bevölkerungsstichprobe normiert, sodass Vergleichswerte für die Allgemeinbevölkerung vorliegen.
Ein bekannter Diskussionspunkt betrifft die Spezifität gegenüber Depressionen: Angst- und depressive Symptome überlappen stark, und der GAD-7 korreliert entsprechend hoch mit Depressionsmaßen wie dem PHQ-9. Ein hoher Wert sagt daher zuverlässiger 'hier ist emotionale Belastung' als 'hier ist genau eine Angststörung'.
Grenzen: Was der GAD-7 nicht kann
So nützlich der Fragebogen ist – eine Diagnose stellt er nicht. Dafür braucht es ein klinisches Gespräch, in dem Dauer, Auslöser, Leidensdruck und Ausschlusskriterien (etwa körperliche Ursachen oder Substanzeinflüsse) geprüft werden. Auch differenziert der GAD-7 nicht zwischen verschiedenen Angststörungen: Ob hinter einem Wert von 14 Punkten Panikattacken, soziale Ängste oder chronisches Sich-Sorgen stehen, bleibt offen.
Hinzu kommt, dass Selbstauskünfte von Momentstimmung, Verständnis der Fragen und der Bereitschaft zur Offenheit abhängen. Menschen, die ihre Beschwerden bagatellisieren, erzielen unauffällige Werte trotz erheblicher Belastung – und umgekehrt.
GAD-7 in Online-Selbsttests
Viele seriöse Angst-Selbsttests im Netz basieren direkt auf dem GAD-7 oder lehnen sich eng an ihn an, weil er frei verfügbar, kurz und gut validiert ist. Für Sie als Nutzerin oder Nutzer heißt das: Ein solcher Test kann eine erste, wissenschaftlich fundierte Orientierung geben, wo Sie im Vergleich zu etablierten Schwellenwerten stehen.
Liegt Ihr Ergebnis wiederholt im moderaten oder schweren Bereich, oder beeinträchtigen Sorgen und Anspannung spürbar Ihren Alltag, ist der nächste sinnvolle Schritt ein Gespräch mit der Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Sprechstunde – unabhängig davon, was ein Online-Ergebnis anzeigt.
Tests, die auf diesem Verfahren aufbauen
Häufige Fragen
- Ab wie vielen Punkten gilt der GAD-7 als auffällig?
- Als gängige Faustregel gilt der Cutoff von 10 Punkten: Ab diesem Wert wird eine weitere fachliche Abklärung empfohlen. Werte von 5 bis 9 deuten auf milde, 10 bis 14 auf moderate und 15 bis 21 auf schwere Angstsymptomatik hin.
- Kann der GAD-7 eine Angststörung diagnostizieren?
- Nein. Er ist ein Screening-Instrument, das die Wahrscheinlichkeit einer Angststörung abschätzt. Die Diagnose selbst erfordert ein strukturiertes klinisches Interview durch ärztliches oder psychotherapeutisches Fachpersonal, das auch andere Ursachen ausschließt.
- Misst der GAD-7 nur generalisierte Angst?
- Konzipiert wurde er für die generalisierte Angststörung, doch Studien zeigen, dass er auch bei Panikstörung, sozialer Angststörung und PTBS erhöhte Werte anzeigt. Er funktioniert daher gut als breites Angst-Screening, kann die Störungsbilder aber nicht voneinander unterscheiden.
- Wie oft kann ich den GAD-7 wiederholen?
- Da sich die Fragen auf die letzten zwei Wochen beziehen, sind Wiederholungen im Abstand von etwa zwei Wochen sinnvoll, etwa um Veränderungen unter einer Behandlung zu verfolgen. Häufigeres Ausfüllen liefert kaum zusätzliche Information.
Weitere Methoden
Quellen
- Spitzer, R. L., Kroenke, K., Williams, J. B. W. & Löwe, B. (2006). A brief measure for assessing generalized anxiety disorder: the GAD-7. Archives of Internal Medicine, 166(10), 1092–1097
- Löwe, B. et al. (2008). Validation and standardization of the GAD-7 in the general population. Medical Care, 46(3), 266–274
- Kroenke, K., Spitzer, R. L., Williams, J. B. W., Monahan, P. O. & Löwe, B. (2007). Anxiety disorders in primary care: prevalence, impairment, comorbidity, and detection. Annals of Internal Medicine, 146(5), 317–325