Ihr Ergebnis · Gründer-Test: Wie unternehmerisch ticken Sie?
Gründungsbereites Profil (24–35 Punkte)
Eigeninitiative, Lernhaltung und Gestaltungswille sind bei Ihnen deutlich ausgeprägt. Ihnen fehlt weniger das Mindset als der konkrete Anlass – oder die letzte Absicherung.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Mit 24 bis 35 Punkten haben Sie der Mehrzahl der unternehmerischen Aussagen zugestimmt. Sie handeln aus eigenem Antrieb, stecken Rückschläge vergleichsweise gut weg und denken in Möglichkeiten statt in Zuständigkeiten. In der Sprache der Forschung: Ihre proaktive Persönlichkeit und Ihre Selbstwirksamkeitserwartung liegen über dem Durchschnitt.
Was Sie von der höchsten Kategorie unterscheidet, sind meist einzelne Bremsfaktoren – oft die Risikofrage oder die Sorge, ohne Netz zu arbeiten. Das ist kein Makel: Studien zufolge sind es gerade die kalkulierenden, nicht die tollkühnen Gründerpersönlichkeiten, deren Unternehmen überleben.
Ihr Wert bedeutet ausdrücklich nicht, dass Sie gründen müssen, um zufrieden zu werden. Dieselben Eigenschaften machen Sie auch als Intrapreneur wertvoll – als Person, die innerhalb einer Organisation neue Geschäftsfelder, Produkte oder Prozesse aufbaut, mit Firmenressourcen im Rücken.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Im Arbeitsalltag sind Sie vermutlich diejenige Person, die Projekte an sich zieht, Provisorien baut, wenn Zuständige nicht erreichbar sind, und in Meetings die Frage stellt, warum etwas eigentlich so gemacht wird. Enge Vorgaben und lange Entscheidungswege kosten Sie spürbar Energie.
Gleichzeitig kennen Sie wahrscheinlich das Spannungsgefühl zwischen Absicherung und Aufbruch: Die Anstellung fühlt sich manchmal wie geliehene Zeit an, während die Alternativen noch nicht greifbar genug sind, um zu kündigen. Dieses Dazwischen kann über Jahre zermürben, wenn es unbearbeitet bleibt.
Typische Situationen
Ein Kunde erwähnt beiläufig ein Problem, für das es keine gute Lösung gibt. Noch am selben Abend skizzieren Sie einen Lösungsansatz und rechnen überschlägig durch, was Entwicklung und Vertrieb kosten würden.
Ihr Arbeitgeber schreibt eine interne Innovationsinitiative aus. Sie reichen nicht nur eine Idee ein, sondern gleich ein Konzept mit Meilensteinen – und ärgern sich anschließend, wie langsam die Mühlen mahlen.
Im Urlaub beobachten Sie ein Geschäftsmodell, das es zu Hause nicht gibt, und verbringen die Rückfahrt damit, die Übertragbarkeit zu prüfen, statt Musik zu hören.
Was können Sie jetzt tun?
Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihren tatsächlichen Engpass. Ist es die Idee? Das Kapital? Die Angst vor Statusverlust? Familienpflichten? Für jeden dieser Engpässe existieren erprobte Lösungen – aber nur, wenn er benannt ist, statt als diffuses „irgendwann“ im Hintergrund zu laufen.
Nutzen Sie das deutsche Absicherungsinstrumentarium: Gründung im Nebenerwerb (mit Information an den Arbeitgeber, sofern vertraglich gefordert), Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit bei Gründung aus Arbeitslosigkeit, kostenfreie Erstberatungen der IHK und geförderte Gründercoachings. Kaum ein Land bietet mehr Netz für den Übergang.
Falls Sie (noch) nicht gründen wollen, verhandeln Sie sich unternehmerischen Spielraum in Ihre jetzige Rolle: Budgetverantwortung, ein eigenes Pilotthema, Beteiligung an Innovationsprojekten. Menschen mit Ihrem Profil bleiben Organisationen vor allem dann erhalten, wenn man ihnen etwas zu bauen gibt.
Klären Sie für sich, welcher Bremsfaktor der entscheidende ist: Fehlt Ihnen eine tragfähige Idee, mangelt es an Startkapital, oder hemmt Sie die Sorge vor dem Statusverlust, falls das Vorhaben scheitert? Für jeden dieser Engpässe existieren erprobte Lösungen – aber nur, wenn der Knackpunkt präzise benannt ist. Die gefährlichste Variante ist die diffuse Haltung, „irgendwann“ zu starten: Sie verhindert sowohl konsequente Vorbereitung als auch konsequentes Loslassen und zermürbt über Jahre.
Konkrete nächste Schritte
Schreiben Sie Ihren größten Bremsfaktor in einem Satz auf und recherchieren Sie eine Woche lang gezielt Lösungen nur für diesen einen Punkt.
Führen Sie fünf Gespräche mit potenzieller Kundschaft für Ihre stärkste Idee – nicht um zu verkaufen, sondern um das Problem zu verstehen. Notieren Sie wörtliche Zitate.
Erstellen Sie einen Sechs-Monats-Finanzplan: Wie lange trüge Sie Ihr Polster, was wäre Ihr minimaler Monatsbedarf, welcher Nebenerwerbsumsatz wäre nötig?
Vereinbaren Sie einen Termin bei einer Gründungsberatung Ihrer Region – auch wenn Sie unentschlossen sind. Die Außenperspektive strukturiert das Dazwischen.
Grenzen dieses Tests
Hohe Zustimmung zu Mindset-Fragen ersetzt keine Marktvalidierung. Der Test sagt nichts darüber, ob Ihre konkrete Idee Kundschaft findet – diese Antwort liefern nur echte Verkaufsgespräche und Prototypen.
Bedenken Sie auch die Selbstdarstellungsverzerrung: Unternehmerische Eigenschaften sind gesellschaftlich positiv besetzt, was Antworten unbewusst nach oben schieben kann. Prüfen Sie ehrlich, ob Ihr Verhalten der letzten zwölf Monate zu Ihren Antworten passt.
Beachten Sie außerdem, dass der Test Ihre subjektive Selbsteinschätzung misst, nicht Ihre tatsächlichen Fähigkeiten in Stresssituationen. Viele Menschen schätzen ihre Belastbarkeit unter Druck optimistischer ein, als sie sich später unter realen Bedingungen zeigt. Wenn Sie noch nie längere Zeit ohne geregeltes Einkommen gelebt haben, ist Ihre Einschätzung zu Unsicherheitstoleranz zwangsläufig theoretisch. Erst ein echter Praxistest offenbart, wie Sie auf Liquiditätsengpässe, schwierige Kunden oder das Ausbleiben erwarteter Aufträge reagieren.
Passende Übungen
Quellen
- Rauch A, Frese M (2007). Let's put the person back into entrepreneurship research: A meta-analysis on the relationship between business owners' personality traits, business creation, and success. European Journal of Work and Organizational Psychology, 16(4), 353–385.
- Zhao H, Seibert SE (2006). The Big Five personality dimensions and entrepreneurial status: A meta-analytical review. Journal of Applied Psychology, 91(2), 259–271.
- Frese M, Gielnik MM (2014). The Psychology of Entrepreneurship. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 1, 413–438.
- McClelland DC (1961). The Achieving Society. Princeton: Van Nostrand.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Struktur-Profil (0–11 Punkte)
Verlässliche Rahmenbedingungen, klare Zuständigkeiten und ein planbares Einkommen sind Ihnen wichtiger als maximaler Gestaltungsspielraum. Unternehmerische Unsicherheit reizt Sie derzeit kaum.
- Neugier-Profil (12–23 Punkte)
Unternehmerische Impulse sind bei Ihnen vorhanden, aber Sicherheit hat noch die Oberhand. Sie beobachten Chancen interessiert – gesprungen wird vorerst nicht.
- Unternehmer-Profil (36–48 Punkte)
Sie denken und handeln in nahezu allen abgefragten Facetten unternehmerisch: hohe Initiative, robuste Fehlerverarbeitung, ausgeprägter Gestaltungsdrang. Die Kernfrage lautet nicht ob, sondern wie und mit welchem Schutz vor Selbstausbeutung.