Ihr Ergebnis · Selbstsabotage-Test: Stehen Sie sich selbst im Weg?
Stark ausgeprägte Selbstsabotage (37–48 Punkte)
Das Blockieren eigener Chancen durchzieht Ihr Handeln so umfassend, dass zwischen Ihrem Potenzial und Ihrem Alltag vermutlich eine schmerzhafte Lücke klafft. Das lässt sich verändern – am besten nicht im Alleingang.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Mit 37 bis 48 Punkten haben Sie den überwiegenden Teil der Aussagen als ziemlich oder vollständig zutreffend bewertet. Das Ausweichen vor Bewährungsproben, das Errichten von Hindernissen und das Kleinhalten der eigenen Ambitionen bilden bei Ihnen demnach kein Randphänomen, sondern eine tragende Struktur im Umgang mit Anforderungen. Ein solches Ausmaß entsteht selten ohne Geschichte – häufig stehen dahinter prägende Erfahrungen, in denen Fehler teuer waren: beschämende Bewertungen, überhöhte Erwartungen, Liebe, die an Leistung geknüpft schien.
Die Funktion des Musters verdient Respekt: Es hat Sie vor wiederholten Verletzungen geschützt. Gleichzeitig ist sein Preis auf diesem Niveau erheblich. Wer sein Können systematisch verbirgt, erhält weder Bestätigung noch korrigierende Erfahrungen – der innere Zweifel wird nie widerlegt und wächst. Studien verbinden chronisches Self-Handicapping mit sinkender Leistung, geringerem Selbstwert und erhöhter Anfälligkeit für gedrückte Stimmung.
Entscheidend ist die Perspektive: Ein hoher Wert beschreibt die gegenwärtige Stärke eines Schutzprogramms, nicht Ihre Zukunft. Programme dieser Art sind veränderbar, gerade weil sie gelernt wurden. Auf diesem Ausprägungsniveau ist allerdings realistisch, dass gut gemeinte Selbsthilfe-Tipps allein oft nicht tief genug greifen.
Bemerkenswert ist auch die oft vorhandene Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild: Während Sie sich selbst als jemanden erleben, der sein Potenzial nicht ausschöpft, sehen andere möglicherweise längst Ihre Fähigkeiten. Diese Wahrnehmungslücke zu schließen ist Teil des Veränderungsprozesses und gelingt meist besser mit professioneller Begleitung.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Der Alltag fühlt sich mit diesem Muster oft an wie ein Leben mit angezogener Handbremse: Vieles wird begonnen und im entscheidenden Moment entwertet, verschoben oder abgebrochen. Typisch sind lange Ketten „fast erreichter“ Ziele – die abgebrochene Fortbildung, der nie abgeschickte Antrag, die Beziehung, die endete, als sie ernst wurde. Nach außen entsteht das Bild von Unzuverlässigkeit oder Gleichgültigkeit; innen herrschen Anspannung und Selbstvorwürfe.
Viele Betroffene beschreiben zudem einen erschöpfenden Doppelbetrieb: Das Vermeiden kostet Energie, das Verbergen des Vermeidens noch mehr. Schlaf, Konzentration und Stimmung leiden mit der Zeit. Nicht selten kommen Kompensationen dazu – exzessives Planen ohne Umsetzung, Flucht in Bildschirmzeit, Essen oder Alkohol als kurzfristige Beruhigung. Wenn Sie sich hier wiedererkennen, ist das kein Charakterfehler, sondern ein überlastetes Schutzsystem.
Ein weiteres Alltagsphänomen betrifft Ihre Reaktion auf Erfolg: Selbst wenn etwas trotz aller Hindernisse gelingt, fällt es schwer, das Ergebnis zu genießen. Stattdessen steigt oft die Angst vor der nächsten Herausforderung, weil mit jedem Erfolg die Erwartungen zu wachsen scheinen. Diese Dynamik erklärt, warum mehr Leistung allein das Problem nicht löst.
Typische Situationen
Eine Führungskraft bietet ein Entwicklungsgespräch an – der Termin wird dreimal verschoben, bis das Angebot versandet.
Vor der Abschlussprüfung wird eine Nebentätigkeit aufgestockt, sodass „einfach keine Zeit zum Lernen“ bleibt.
Ein fertiges kreatives Projekt lagert seit über einem Jahr unveröffentlicht, während ständig an Details gefeilt wird.
Was können Sie jetzt tun?
Der wichtigste Schritt auf diesem Niveau ist Entlastung durch Mitwisserschaft: Weihen Sie mindestens einen Menschen ein, dem Sie vertrauen. Das Muster lebt von Verheimlichung – schon das Aussprechen reduziert seinen Druck und schafft Verbündete für konkrete Schritte. Wählen Sie jemanden, der zuhören kann, ohne sofort Ratschläge zu erteilen.
Prüfen Sie ernsthaft professionelle Unterstützung. Verhaltenstherapeutische Ansätze arbeiten genau an den Stellschrauben dieses Musters: an der Kopplung von Selbstwert und Leistung, an Vermeidungsspiralen und an schrittweisen Realitätstests. Ein Erstgespräch verpflichtet zu nichts; die Terminservicestelle unter 116 117 vermittelt psychotherapeutische Sprechstunden ohne Überweisung. Falls zusätzlich anhaltende Hoffnungslosigkeit oder Erschöpfung bestehen, gehört auch die Hausarztpraxis zu den sinnvollen ersten Adressen.
Bis dahin gilt: winzige, unverhandelbare Vollzüge statt großer Vorsätze. Eine E-Mail wirklich absenden, eine Anmeldung wirklich abschicken, ein Ergebnis wirklich zeigen – einmal pro Woche reicht als Anfang. Jeder vollzogene Abschluss ist ein Datenpunkt gegen die innere Überzeugung, ungeschütztes Handeln sei gefährlich. Dokumentieren Sie diese Datenpunkte schriftlich; das Gedächtnis unterschlägt sie sonst.
Behandeln Sie sich mit derselben Geduld, die Sie einem Freund in ähnlicher Lage entgegenbringen würden. Das Muster ist über Jahre gewachsen und wird nicht über Nacht verschwinden. Jeder noch so kleine Schritt in Richtung ungeschützten Handelns ist ein Erfolg, auch wenn er sich zunächst nicht so anfühlt.
Konkrete nächste Schritte
Erzählen Sie in den nächsten sieben Tagen einer Vertrauensperson von diesem Testergebnis und einem konkreten Beispiel.
Vollziehen Sie diese Woche einen einzigen echten Abschluss – absenden, anmelden, zeigen – und notieren Sie ihn.
Rufen Sie die 116 117 an oder nutzen Sie deren Online-Terminvergabe, um eine psychotherapeutische Sprechstunde anzufragen.
Legen Sie eine Erfolgsliste an, in die ausschließlich vollzogene Handlungen eingetragen werden – keine Pläne.
Grenzen dieses Tests
Bei Werten dieser Höhe stößt ein Online-Fragebogen an seine Grenze: Er kann nicht klären, ob hinter dem Muster eine behandlungsbedürftige Problematik steht – etwa eine Depression, eine Angststörung oder langwirkende Folgen früherer Verletzungen. Diese Unterscheidung ist wesentlich für den richtigen Weg und gehört in ein fachliches Gespräch.
Möglich ist auch das Gegenteil einer Untertreibung: In selbstkritischen Phasen bewerten Menschen ihr Verhalten strenger, als es Außenstehende täten. Ein hoher Wert an einem schlechten Tag kann übertreiben. Nehmen Sie das Ergebnis ernst, aber behandeln Sie es als Anlass zur Klärung – nicht als endgültiges Urteil über sich.
Bedenken Sie auch, dass der Test nur beschreibt, nicht erklärt. Die Ursachen für stark ausgeprägtes Vermeidungsverhalten können vielfältig sein und reichen von biografischen Erfahrungen über aktuelle Überlastung bis zu neurologischen Besonderheiten. Für die Wahl des richtigen Wegs ist diese Differenzierung wichtig und sollte fachlich begleitet werden.
Passende Übungen
Quellen
- Berglas S, Jones EE (1978). Drug choice as a self-handicapping strategy in response to noncontingent success. Journal of Personality and Social Psychology, 36(4), 405–417.
- Jones EE, Rhodewalt F (1982). The Self-Handicapping Scale. Princeton University / University of Utah (unveröffentlichtes Messinstrument).
- Zuckerman M, Tsai FF (2005). Costs of self-handicapping. Journal of Personality, 73(2), 411–442.
- Steel P (2007). The nature of procrastination: A meta-analytic and theoretical review of quintessential self-regulatory failure. Psychological Bulletin, 133(1), 65–94.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Kaum Selbstsabotage (0–12 Punkte)
Sie gehen Bewährungsproben direkt an, statt sich Ausweichrouten zu bauen. Schutzmanöver auf Kosten der eigenen Leistung spielen bei Ihnen derzeit kaum eine Rolle.
- Gelegentliche Selbstblockaden (13–24 Punkte)
Meist gehen Sie Aufgaben direkt an, doch in bestimmten Situationen bauen Sie sich kleine Fluchtwege – etwa durch spätes Anfangen oder heruntergespielte Ziele.
- Deutliche Selbstsabotage-Tendenz (25–36 Punkte)
Schutzmanöver vor möglichen Misserfolgen prägen Ihr Handeln in mehreren Lebensbereichen. Der Preis dafür wird spürbar: verpasste Chancen und ein wachsender Abstand zwischen Können und Ergebnis.