Kreativität-Test: Wie viel schöpferische Kraft steckt in Ihrem Alltag?
Kreativität zeigt sich nicht nur auf Bühnen und Leinwänden, sondern beim Improvisieren in der Küche, beim Lösen eines Terminchaos oder beim Umdeuten eines alten Regals. Zwölf Aussagen loten aus, wie stark Ihr Alltagseinfallsreichtum ausgeprägt ist – und wie sehr Sie Ihren eigenen Ideen vertrauen.
Worum geht es in diesem Test?
Die Forschung versteht Kreativität längst nicht mehr als seltene Gabe weniger Künstler, sondern als alltägliches Vermögen, das jeder Mensch in unterschiedlichem Maß besitzt und einsetzt. James C. Kaufman prägte dafür die Unterscheidung zwischen der großen, kulturprägenden Kreativität und der kleinen des Alltags: dem improvisierten Geschenk, der ungewöhnlichen Route, der selbst ausgedachten Gutenachtgeschichte. Genau diese Alltagsebene steht hier im Mittelpunkt, denn sie ist trainierbar, situationsnah und für Zufriedenheit und Problemlösen im täglichen Leben entscheidender als jede Genie-Frage.
Neben dem tatsächlichen Ideenverhalten erfasst der Test eine zweite Zutat, die in Studien immer wieder als Motor schöpferischer Leistung auftaucht: die kreative Selbstwirksamkeit. Gemeint ist die Überzeugung, in neuartigen Situationen brauchbare Einfälle hervorbringen zu können. Tierney und Farmer zeigten, dass diese Überzeugung eigenständig vorhersagt, wie kreativ Menschen im Beruf handeln – teils unabhängig von ihrem reinen Können. Wer sich Ideen zutraut, äußert sie eher, verfolgt sie länger und lässt sich von Fehlversuchen weniger entmutigen.
Zwölf Aussagen zu Ideenfluss, Experimentierfreude, Ideensammlung, Beharrlichkeit und Vertrauen in die eigene Vorstellungskraft ergeben einen Punktwert zwischen 0 und 48, der einer von vier Stufen zugeordnet wird – von schlummernder bis blühender Kreativität. Jede Stufe erhält eine ausführliche Einordnung mit Alltagsbeispielen, typischen Stolpersteinen und konkreten Schritten. Der Test eignet sich für alle, die wissen wollen, wo ihr schöpferisches Potenzial gerade steht und an welcher Stellschraube sich am meisten bewegen lässt.
Mögliche Ergebnisse
- Schlummernde Kreativität (0–12 Punkte)
Sie greifen im Alltag lieber auf Bewährtes zurück und trauen Ihren eigenen Einfällen bisher wenig zu. Das Potenzial ist damit nicht verschwunden – es liegt brach, oft unter einem alten Glaubenssatz begraben.
- Erwachende Kreativität (13–24 Punkte)
Ihre Einfälle melden sich bereits regelmäßig, doch Sie behandeln sie noch wie Gäste, die man nicht ganz ernst nimmt. Mit etwas Struktur und mehr Selbstvertrauen wird aus dem gelegentlichen Funken ein verlässliches Feuer.
- Aktive Kreativität (25–36 Punkte)
Einfälle zu haben und ihnen zu vertrauen gehört für Sie zum Alltag – Sie improvisieren, kombinieren und gestalten regelmäßig. Die nächste Entwicklungsstufe liegt weniger im Mehr an Ideen als im klügeren Haushalten mit ihnen.
- Blühende Kreativität (37–48 Punkte)
Gestalten ist für Sie kein Werkzeug, sondern Lebensform: Sie denken in Möglichkeiten, vertrauen Ihren Einfällen und stecken andere damit an. Ihre Aufgabe ist nicht mehr das Entfachen, sondern das kluge Hüten dieses Feuers.
Methodik & Hintergrund
Inhaltlich orientiert sich der Fragebogen an zwei Forschungslinien: an der Kaufman Domains of Creativity Scale (K-DOCS, 2012), die kreatives Verhalten über Selbsteinschätzungen in verschiedenen Lebensbereichen erfasst, und am Konzept der kreativen Selbstwirksamkeit nach Tierney und Farmer (2002). Ergänzend fließt Teresa Amabiles Komponentenmodell ein, wonach schöpferische Leistung aus Fachwissen, kreativen Denkfertigkeiten und intrinsischer Motivation entsteht – und stark vom Umfeld gefördert oder erstickt wird.
Sie bewerten zwölf Aussagen auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala von 0 bis 4. Zwei Aussagen beschreiben die Vorliebe für exakte Vorgaben und das schnelle Verwerfen unerprobter Einfälle; sie gehen gespiegelt in die Rechnung ein, sodass hohe Gesamtwerte durchgängig für ausgeprägten Einfallsreichtum stehen. Die vier Ergebnisbereiche teilen die Punktspanne in gleich breite Orientierungszonen; sie beruhen nicht auf einer Normstichprobe und markieren daher Tendenzen, keine Prozentränge.
Zu den Grenzen: Selbsteinschätzungen messen das Bild, das Menschen von ihrer Schöpferkraft haben – nicht die Originalität ihrer tatsächlichen Werke, die nur Außenbeurteilungen oder Leistungstests erfassen könnten. Bescheidene Personen unterschätzen sich systematisch, selbstbewusste überschätzen sich. Zudem ist Kreativität bereichsspezifisch: Wer beim Kochen sprüht und bei Texten blockiert, erhält einen Mischwert. Das Ergebnis ist deshalb ein Reflexionsangebot und kein Urteil über Ihr Potenzial.
Häufige Fragen
Quellen
- Kaufman JC (2012). Counting the muses: Development of the Kaufman Domains of Creativity Scale (K-DOCS). Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 6(4), 298-308.
- Tierney P, Farmer SM (2002). Creative self-efficacy: Its potential antecedents and relationship to creative performance. Academy of Management Journal, 45(6), 1137-1148.
- Amabile TM (1996). Creativity in Context: Update to The Social Psychology of Creativity. Boulder, CO: Westview Press.
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